FeuilletonLand & Leute

Die öffentlichen Bäder in Budapest

Das Neue Universum • 1896

Voraussichtliche Lesezeit rund 9 Minuten.

Man darf mit gutem Recht die Hauptstadt Ungarns die Stadt der Bäder nennen, denn keine Stadt Europas ist imstande, ihren Einwohnern eine so große Zahl von öffentlichen Bädern zur Verfügung zu stellen wie Budapest. Allerdings, welche andere Stadt hätte wohl einen so außerordentlichen Reichtum an Mineralwasserquellen aufzuweisen, die ebenso zur Errichtung von öffentlichen Bädern aufforderten, wie sie andererseits auch den Sinn der Bevölkerung für den Gebrauch der Bäder weckten und entwickelten. Die Bäder in Budapest waren seit alten Zeiten, wie sie das auch jetzt noch sind, eine Nachahmung der Bäder im antiken Rom, und wie die alten Römer, so widmen auch die heutigen Einwohner der Hauptstadt Ungarns einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit täglich dem Baden, das ihnen eine Erholung und Zerstreuung ist.

Die Römer kannten schon die warmen Quellen Budas und zu allen Zeiten der Geschichte waren dieselben hoch geschätzt und berühmt und wurden eifrig benutzt. Im Zeitalter von König Matthias hatte das Raizenbad großen Ruf; der Monarch gebrauchte dieses Bad mit Vorliebe, es war verschwenderisch eingerichtet, der königliche Schlossgarten erstreckte sich bis zu demselben und ein breiter offener Weg Verband es mit dem Schloss. Ihren höchsten Glanz hatten die Bäder unter der Türkenherrschaft, die Paschas ließen großartige Badeeinrichtungen herstellen, von denen manche noch heute in Gebrauch sind. Beinahe alle Bäder, die jetzt benützt werden, gab es damals schon – das Kaiserbad ließ Hussein-Pascha erbauen, Mohammed Pascha und Mustapha Pascha erweiterten es. Das Rudasbad errichtete Sokoli Mustapha Pascha im Jahr 1556 und das Königsbad 1560. Der Kuppelsaal des Rudasbades dient heute noch zu Dampfbädern, die im Jahrzehnt von 1560 – 1570 errichtet wurden. Ebenso stammt das Badebassin zum heiligen Lukas noch aus jenen Zeiten. Die Türken hatten auch noch andere Bäder auf dem quellenreichen Boden errichtet, so die Aghabäder in der Nähe der Bäder von Saros, die heute völlig verschwunden sind, und die Jungfrauenbäder, welche die Bestimmung hatten, den Haremsfrauen zu dienen.

epilog.de

Werde epilog.plus-Mitglied und Du bekommst

  • Zugriff auf exklusive Beiträge wie diesen
  • PDF-Versionen und/oder eBooks von ausgewählten Artikeln
  • weniger Werbung und dafür mehr historische Bilder und alte Reklame

und Du hilfst uns, noch mehr interessante Beiträge zur Kultur- und Technikgeschichte zu veröffentlichen.

Ich bin bereits Mitglied und möchte mich anmelden.

Bei epilog.plus auch verfügbar als:

PDF-Datei
Der vollständige Beitrag ist enthalten in:
Die ›Zeitreisen‹ knüpfen an die Tradition der Jahrbücher wie ›Das neue Universum‹ oder ›Stein der Weisen‹ an. Eine bunte Auswahl von Originalartikeln begleitet den authentischen und oft überraschend aktuellen Ausflug in die Geschichte.Kultur- und Technikgeschichte aus erster Hand, behutsam redigiert, in aktueller Rechtschreibung und reichhaltig illustriert.
  PDF-Leseprobe € 18,89 | 196 Seiten | ISBN: 978-3-7543-9786-2

• Auf epilog.de am 20. August 2017 veröffentlicht

Reklame