VerkehrSchifffahrt

Die ›Bandaks-Kanalen‹ in Norwegen

Das Neue Universum • 1897

Die Bandaks-Kanalen in Norwegen

Unter den zahlreichen Kanälen, durch welche in Schweden der Binnenverkehr wesentlich begünstigt wird, sind namentlich der Götakanal, der Strömsholmskanal und der Dalslandskanal durch ihre Großartigkeit und die technische Vollendung ihrer Schleusenanlagen berühmt. Der Götakanal zum Beispiel verbindet mit Zuhilfenahme des Götaelf, des Wener- und Wettersees sowie einiger andrer Seen die Nord- und die Ostsee. Er ist für die Binnenschifffahrt des Landes von höchster Bedeutung, hat 440 km Länge und 58 Schleusen, darunter 53 Senkschleusen. In den letzteren, deren jede 38 m lang und 7,8 m breit ist, werden die Schiffe bei der Bergfahrt durch zuströmendes Wasser gehoben, bei der Talfahrt durch das abfließende Wasser niedergelassen; dies wird so oft wiederholt, bis der höchste oder tiefste Punkt erreicht ist, von welchem aus die Fahrt wieder auf gleichem Niveau des Kanals fortgesetzt werden kann. Eine ähnliche Konstruktion der Schleusen zeigen die zwar nur kleinen, aber technisch äußerst interessanten ›Bandaks-Kanalen‹ in Norwegen, die unsere Abbildung veranschaulicht. Mittelst derselben werden die den Kanal passierenden Schiffe von der unteren Wasserfahrstraße durch vier Schleusen auf eine Höhe von etwa 35 m – bis zur oberen Fahrstraße – gehoben und ebenso umgekehrt, was jedes Mal 20 Minuten erfordert. Jede Schleusenkammer ist stromab- und stromaufwärts verschließbar. Der Eintritt eines Schiffes in dieselbe von oben erfolgt nach deren Füllung (bei geschlossenem unteren und geöffnetem oberen Tor) bis zum Spiegel des Oberwassers, der Austritt nach ihrer Entleerung bis zum Spiegel des Unterwassers (bei geschlossenem oberen und geöffnetem unteren Tor). Der Eintritt des Schiffes von unten geschieht beim niedrigsten Wasserstand der Kammer, worauf das untere Tor geschlossen, die Schütze des oberen Tors geöffnet und so die Kammer allmählich gefüllt wird. Das Öffnen und Schließen der Schleusentore wie das Füllen und Entleeren der Kammern u. s. w. erfolgt mittelst hydraulischer Maschinen. Das Werk ist von dem norwegischen Ingenieur Bandak ausgeführt worden und gilt als ein technisch sehr hervorragendes.

• Auf epilog.de am 18. Februar 2021 veröffentlicht