Handel & IndustrieDruck & Papier

Der Linotype

Prometheus • 1889

Voraussichtliche Lesezeit rund 8 Minuten.

Während die Druckerpresse und die sonstigen mit der Buchdruckerkunst im engsten Zusammenhang stehenden Maschinen und Verfahren ungeheure Fortschritte zu verzeichnen haben – wir brauchen nur auf die Rotationspressen hinzuweisen, die 10 000 Exemplare einer Zeitung in der Stunde drucken – ist das Schriftsetzen nahezu so geblieben, wie Gutenberg es erfand, und es betreffen die Verbesserungen auf diesem Gebiete eigentlich nur die Nebengeräte des Setzers.

Wie kommt es, dass von den vielen Setzmaschinen, welche das Setzen erleichtern und beschleunigen sollen, keine allgemein zur Einführung gelangt ist? Liegt es an diesen Maschinen selbst oder an den eigentümlichen Bedingungen des Schriftsetzens? Wahrscheinlich an beiden. Die Setzmaschinen, welche etwa in den letzten 25 Jahren auftauchten, sind an sich sehr sinnreich; einige besorgen sogar das Ablegen oder gar das schwierige Ausschließen, d. h. das Ausbringen der Zeile auf eine bestimmte Länge durch Einsetzen oder Herausnehmen von Ausschlussstücken. Sie leiden aber sämtlich an zwei argen Übelständen: einmal sind sie zu teuer und steht die Zeitersparnis aus der Verwendung derselben mit den Anschaffungs- und Tilgungskosten in keinem rechten Verhältnis. Sodann stellen sie nur sogenannten glatten Satz, d. h. Satz aus einer Schrift, her. Sobald in dem Manuskript eine zweite Schriftart vorkommt, und das ist fast stets der Fall, muss man doch zum alten Schriftkasten greifen.

Vielleicht wirkt aber auch der Anschaffung von Setzmaschinen das dunkle Gefühl entgegen, dass die Tage des Schriftsetzens, wie es von Gutenberg erfunden wurde, die Tage der beweglichen Lettern, gezählt sind. Bei den Riesenauflagen der Neuzeit kommt das Drucken von den Typen selbst immer mehr außer Gebrauch und wird ganz verschwinden, sobald die Rotationspresse, wie zu erwarten steht, die sogenannte Schnellpresse gänzlich verdrängt. Die meisten Zeitungen und Zeitschriften sowie viele Werke werden jetzt bereits stereotypiert und nur von der Stereotypform gedruckt. Der Schrift fällt also in den meisten Fällen nur die Aufgabe zu, die Matrize für die Stereotypplatte zu liefern, und sie wandert alsdann sofort in die Setzkästen zurück.

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• Auf epilog.de am 24. März 2023 veröffentlicht

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