Bau & Architektur – Öffentliche Bauten
Das Aquarium zu Berlin
Deutsche Bauzeitung • 13.5.1869
Die Anlage von Aquarien, als Instituten zur Schaustellung des Tierlebens der Wasserwelt, ist eine Errungenschaft der Neuzeit. Das erfolgreiche, ruhmwürdige Bestreben unserer Naturforscher – Kenntnis der Natur, Einsicht in ihr Walten, das Verständnis für die Vollkommenheit und Schönheit ihrer Gebilde auch im Volke zu verbreiten – hat die Naturkunde zur populärsten Wissenschaft unseres Zeitalters gemacht. So konnten im Verlaufe des letzten Jahrzehntes zoologische Gärten in mehreren der größeren Städte Deutschlands erstehen. Aber man hat sich nicht damit begnügt uns nur vorzuführen, was da mit uns atmet und lebt im rosigen Licht der Oberwelt: Auch die reiche lebendige Welt des feuchten Elements ist uns zugänglich gemacht, die geheimnisvollen Wunder der Meerestiefe in ihrer ganzen, hohen Pracht und Schönheit sind uns erschlossen worden.
Die Mittel, mit denen dies anfänglich geschah, waren freilich noch sehr unvollkommen und nahmen kaum die Hilfe des Technikers, geschweige des Künstlers in Anspruch. Wie der Tiersammler seine Exemplare in Glaskästen wahrt, um sie von allen Seiten beschauen zu können, so setzte man Fische und Molche, Muscheln etc. in mit Wasser gefüllte Glasbehälter, in denen man mit Steinen, Kies und einigen Wasserpflanzen ein Stück Natur nachzuahmen suchte; – die Grundidee für die als Dekorationsstücke mannigfaltig ausgebildeten sogenannten Zimmer-Aquarien, über welche das Aquarium in London noch heute nicht hinausgekommen ist.
Einen großen Fortschritt hiergegen zeigt die Anordnung des Aquariums im Jardin d’acclimatisation zu Paris. Man verlegte hier die Wasserbecken an die Seiten des Zuschauerraums und machte sie durch mit starken Glasscheiben versehene Öffnungen in den Wänden desselben sichtbar, indem man die Beleuchtung so anordnete, dass der Zuschauerraum selbst dunkel ist und sein Licht durch die von oben her erleuchteten Becken empfängt. Hierdurch erst gewann das Leben in denselben seinen eigentümlichen Reiz und die angemessene naturalistische Wirkung, die es vergessen macht, wie viel künstliche Mittel zu einer solchen Schaustellung angewendet werden müssen. Was aber diesen Eindruck, der ja auch bei den neueren zoologischen Gärten das Endziel aller Anordnung ist und sie von gewöhnlichen Menagerien unterscheidet, stören kann: Das ist bei diesem älteren Pariser ebenso wohl wie bei dem von Martin Haller erbauten Hamburger Aquarium der Mangel an Übereinstimmung im Charakter der zur Schau gestellten Bilder und der Gestaltung des Zuschauerraums.
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