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Über das Kettenschleppschiffahrts-Unternehmen auf der Havel und Spree

Zentralblatt der Bauverwaltung • 24.6.1882

Über das Kettenschleppschifffahrts-Unternehmen auf der Havel und Spree welches am 16. Juni 1882 eröffnet worden, ist, teilen wir nachstehende Einzelheiten mit. Die in England hergestellte 23mm starke kurzgliedrige Kette, welche ein Gewicht von 9kg pro Meter hat, liegt in einer Länge von 22km auf der Sohle der Spree von der Kronprinzen-Brücke in Berlin an abwärts bis in das Pichelsdorfer-Gemünde der Havel unterhalb Spandau. Das obere Ende derselben ist um einen Strompfeiler der genannten Brücke geschlungen, während das untere Ende ohne weitere Befestigung auf der Flusssohle aufliegt. Die einzelnen gegen 1km langen Kettenstücke sind durch Kettenschlösser oder sog. Notschäkel miteinander verbunden. Das Versenken der Kette in das Flussbett erfolgte in 1½ Tagen vom Gemünde an aufwärts in der Weise, dass das Auslaufen derselben aus dem von einem Dampfer geschleppten Lagerkahn durch starke Bremsknüppel reguliert wurde; das eigentliche Verlegen geschah demnächst durch die Kettendampfer selbst. Von letzteren ist ein größerer Dampfer von 34m Länge, 5m Breite und 0,65m Tiefgang für die Fahrt von Berlin bis nach Spandau oberhalb der Brücken eingestellt, während ein zweiter kleinerer Dampfer von 23m Länge, 4,3m Breite und 1,0m Tiefgang den Schleppdienst durch die drei niedrig gelegenen Spandauer Brücken bis nach dem Gemünde versieht. Ein dritter Kettendampfer von den Abmessungen des größeren dient als Reserve. Die Maschinen auf diesen Dampfern sind gekuppelte schrägliegende Hochdruckmaschinen von 70 bzw. 40PS, und die Bewegung derselben auf die vierrilligen Kettentrommeln von 1,12m Durchmesser wird durch einfaches Vorgelege übertragen. Vom Pichelsdorfer-Gemünde aufwärts bis zur Kronprinzen-Brücke kann die Fahrt bei einem etwa 1000 Tonnen führenden Schiffzug in 2½ bis 3 Stunden zurückgelegt werden. An der Spitze des Konsortiums, welches außer dieser Kettenschleppschifffahrt auch noch den Schleppdienst zwischen dem Pichelsdorfer-Gemünde und der Elbe mit vorläufig 4 Doppelschraubendampfern betreibt und ferner in Berlin an dem Schöneberger, Humboldt- und Nord-Hafen 6 Dampfkräne von je 5t Tragfähigkeit besitzt, steht der englische Ingenieur Henry W. Tyler. Es liegt in der Absicht des Konsortiums, nicht bei diesen Anlagen stehen zu bleiben, sondern dieselben je nach Bedürfnis zu ergänzen und zu erweitern. So ist u.a. noch die Anlage eines Hafens mit Schiffswerft auf dem Grundstück des Konsortiums in Pichelsdorf geplant.

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