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Herstellung sauerstoffhaltigen Wassers

Das Neue Universum • 1896

Über den im Jahr 1774 fast gleichzeitig durch Priestley und Scheele entdeckten Sauerstoff machte einige Jahre später der Holländer Ingenhus die Wahrnehmung, dass Inhalationen davon belebend und kräftigend wirkten, den Appetit vermehrten und den Schlaf zugleich fester und ruhiger gestalteten. Seitdem sich diese Eigenschaften vollauf bestätigten, beschäftigten sich auch die Ärzte mit der Anwendung des Sauerstoffs und fanden, dass dieselbe besonders bei Albuminurie und Zuckerkrankheit wirksam sei. Es ist längst bekannt, dass wenn man Luft durch einen mit kaltem Wasser gefüllten Zylinder presst, dasselbe Sauerstoff aufnimmt, in erhöhtem Grad aber, wenn das Wasser erhitzt ist. Eigentliches Sauerstoffwasser kann man aber auf diesem Wege nicht herstellen, wenigstens nicht solches, das eine merkliche Wirkung beim Trinken ausübte. Seitdem es aber im Jahr 1877 den Chemikern Pictet zu Genf und Cailletet zu Paris gelungen war, den Sauerstoff flüssig und sogar fest zu machen, ist die Herstellung solchen Wassers keine Schwierigkeit mehr. Das Verdichten des Sauerstoffs zu einer Flüssigkeit geschieht unter Anwendung eines Druckes von 525 Atmosphären und einer Kälte von –140°C. Um ihn zu einer festen Masse zu bringen, muss der Druck entsprechend erhöht werden. In diesem Zustand hat der Sauerstoff ein so starkes Bestreben, sich wieder zu verflüchtigen, dass zu seiner Aufbewahrung nur auf hohen Druck erprobte metallene Zylinder genügen.

Auf dieser Eigenschaft beruht die Herstellung des in Rede stehenden Wassers. Auf unsrer Abbildung erblickt man rechts den dazu dienenden Apparat. Derselbe besteht aus zwei metallenen Zylindern, von denen der dünnere den festen, der dickere den daraus entwickelten flüssigen Sauerstoff enthält. Auf letzterem befindet sich ein Manometer zur Kontrollierung des Drucks. Rechts daneben sieht man ein sinnreich konstruiertes eisernes Gestell mit zwanzig kegelförmigen Drahthülsen zur Aufnahme von ebenso vielen Flaschen, von denen zehn in vertikale, zehn in horizontale Lage kommen. Die Drahthülsen haben den Zweck, dass etwa zerspringende Flaschen keinen Schaden anrichten können. Zu diesem Flaschengestell führt aus dem dicken Sauerstoffzylinder ein Rohr, welches den Sauerstoff zum Flaschengestell leitet, wo er an jede einzelne Flasche durch Rohrleitung verteilt wird. Die Flaschen sind mit Wasser gefüllt und verkorkt. Der Sauerstoff wird durch die Korke gepresst, nachdem jeder Flaschenhals mit einer hermetisch dichten Hülse umgeben worden ist. Der links sitzende Arbeiter vervollständigt die Verkorkung, indem er sie mit einer Bindfaden- oder Drahtschlinge befestigt und eine Kapsel darüber zieht. Um die mit der Zeit notwendig eintretende Verflüchtigung des Sauerstoffes durch die Poren der Korken zu verhüten bzw. um das Sauerstoffwasser längere Zeit in unveränderter Beschaffenheit aufbewahren zu können, bedarf es der Galvanisierung des Flaschenverschlusses.

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