DaseinsvorsorgeKommunalwirtschaft

Straßenreinigungs- und Kehrichtautomobile in Paris

Allgemeine Automobil-Zeitung • 2.3.1913

Wenn man im Ausland irgendeine moderne Sache schon seit Jahren in Betrieb hat und sie sich bestens bewährt, dann verfällt man auch bei uns darauf, sie zu ›studieren‹, man ernennt Kommissionen, die die nötigen Erhebungen pflegen, Informationsreisen machen etc. So haben wir, um ein typisches Beispiel anzuführen, noch immer den ›unsterblichen Mist­bauer‹. Über Mangel an Staub darf man sich in Wien ohnehin nicht beklagen. - R E K L A M E - Die Maschinenfabrik R. Wolf Magdeburg-Buckau 1862 – 1912 Dafür ist schon durch das elende Granit­pflaster gesorgt, das, von den Fuhrwerken fein zerrieben, vom nächsten Windstoß in die Lüfte gefegt wird, natürlich auch auf das Trottoir. Die Reinigung des Trottoirs – das ist wieder eine Wiener Spezialität – fällt nicht der Gemeinde anheim, der das Trottoir doch gehört, sondern den Hausmeistern. Dem Granit­pflaster aber bleibt man treu, denn wir haben ja große Granit­brüche, die exploitiert werden müssen. Die Granitwürfel des Wiener Pflasters haben deshalb ein so zähes Leben, weil man sie, sobald eine Seite völlig abgenützt und unbrauchbar geworden ist, einfach umdreht. Man könnte also mit Wippchen sagen, die Granitwürfel gleichen der Hydra, der immer zwei neue Köpfe wachsen, wenn einer abgeschlagen wurde, denn es scheinen ihnen immer neue Felder nachzuwachsen, mögen ihnen auch von Rechts wegen, das heißt, nach stereometrischer Regel nun deren sechs zukommen.

In Paris ist der Straßenreinigungsdienst schon zum großen Teile auto­mobili­siert. Es verkehren dort neben den Sprengwagen, die wir ja auch schon in Wien haben, auch selbst­bewegliche Straßenkehrmaschinen und als Epigonen des ›unsterblichen Mist­bauers‹ auch Kehricht­auto­mobile, mit denen die Mullabfuhr aus den Häusern besorgt wird. Erst kürzlich hat eine vom Pariser Gemeinderat eingesetzte Prüfungskommission vor dem Hotel de Ville solch ein Kehricht­auto­mobil abgenommen. Die Pariser Gemeinde legt Gewicht darauf, dass bei dem Transport der Abfälle möglichst wenig Staub entwickelt wird, sie verlangt daher einen dichten Verschluss.

Elektromobiler Kehrichtwagen der Gemeinde Paris.Ansicht des geöffneten Fahrzeuges.
Elektromobiler Kehrichtwagen der Gemeinde Paris.Das Fahrzeug mit hermetisch abgeschlossenem Müllbehälter.

Wir bringen hier zwei Abbildungen dieses Fahrzeuges. Es ist ein Elektromobil, das einen großen Fassungsraum für die Abfälle aus der Hauswirtschaft aufweist. Der Hauptvorzug des Kehricht­auto­mobils besteht aber in dem hermetischen Abschluss des Wagens. Die deckel­artige Verschalung ist auf Schienen beweglich und lässt sich, sobald der Mist abgeführt wurde, auf Schienen so verschieben, dass nicht der geringste Staub nach außen gelangen kann.

• Auf epilog.de am 9. Juli 2026 veröffentlicht

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