Verkehr – Schifffahrt
Die interozeanische Schiffs-Eisenbahn
Scientific American • 27.12.1884
Die transisthmischen Projekte, welche seit vielen Jahren die Aufmerksamkeit der Ingenieure auf sich ziehen, können – vielleicht nicht ganz unpassend – in drei Klassen unterteilt werden: Erstens jene, bei denen die Konstruktion der Willkür von Überschwemmungen ausgeliefert ist; zweitens jene, denen es an guten Häfen mangelt; und drittens jene, die in die Kalmen oder Windstillen-Gürtel münden. Von diesen drei schwerwiegenden Einwänden scheint das Projekt des Panama-Gezeitenkanals dem ersten und zweiten Punkt zu unterliegen, während der Plan des Nicaragua-Schleusenkanals mit dem zweiten und dritten Punkt zu kämpfen hat.
Abb. 1. Ein Dampfer im Transit. Das Projekt einer Schiffs-Eisenbahn von James B. Eads, welches in diesem Beitrag illustriert wird, weist keinen dieser Mängel auf. Abgesehen davon, dass es weitaus kostengünstiger ist, bietet es ein schnelleres Transportmittel als beide anderen Varianten und wird die Reisezeit zwischen den Atlantikstaaten und San Francisco oder Ostindien um mehr als tausend Meilen verkürzen.
Bis zum Auftreten von Mr. Eads auf diesem Gebiet scheint es niemandem in den Sinn gekommen zu sein, dass ein Wasserweg nicht das Einzige wäre, was für den Schiffstransit zwischen den beiden Ozeanen dienen könnte. Manchen Planern der transisthmischen Projekte erschien es nicht unpraktikabel, einen schiffbaren Kanal in einer Region zu bauen, die jährlich von Gebirgsbächen überschwemmt wird, oder von riesigen Schiffen zu erwarten, hunderte Meilen windstiller See zu durchqueren. Aber ein Schiff über eine schmale Landenge per Schiene zu transportieren, wurde als ungeheuerlich und undenkbar angesehen.
Es ist nicht Absicht dieses Artikels, die konkurrierenden Projekte von Panama und Nicaragua herabzusetzen; aber die Befürworter beider Seiten haben in ihren Bemühungen zur Unterstützung ihrer eigenen Theorien zumindest einen Teil der Öffentlichkeit dazu gebracht, die Schiffs-Eisenbahn als unpraktikabel und visionär zu betrachten. Ein Vergleich ist daher notwendig, um die relative Durchführbarkeit der Schiffs-Eisenbahn und der zwei prominentesten Kanalschemata sowie ihre überlegenen Vorteile unter kommerziellen Gesichtspunkten aufzuzeigen. Bei diesem Vergleich werden wir uns bemühen, jedem gerecht zu werden und ohne böswillige Absicht zu handeln.
Eine sorgfältige Untersuchung der Abbildungen und die dazugehörigen Erklärungen werden zeigen, dass die Schiffs-Eisenbahn zwar als Ganzes neuartig und originell ist, aber keine anderen Methoden in der Behandlung eines Schiffes erfordert als jene, die gewöhnlich im Trockendock und auf der Schiffs-Schleppbahn angewendet werden und welche die Erfahrung als sicher erwiesen hat. Tatsächlich ist das einzig Bemerkenswerte an dem Schema, dass niemand zuvor daran gedacht hat.
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