VerkehrSchifffahrt

Wasserfahrräder

Das Neue Universum • 1899

Wasserfahrräder auf der SpreeNeue Wasserfahrräder auf der Oberspree bei Berlin.

Der Wunsch, auf dem Wasser mittels fahrradähnlicher Maschinen sich zu bewegen, muss etwas sehr Verlockendes haben, denn immer wieder tauchen in kurzen Zwischenräumen Erfindungen auf, von denen eine dem Zweck, ohne die Hilfe von Schiffen und Booten eine Wasserfahrt machen zu können, besser als die andere genügen soll.

»Soll«, sagen wir, denn in Wirklichkeit haben alle bisher erbauten Wasserfahrräder und sicherlich auch die beiden in unsrer Abbildung wiedergegebenen, auf der Oberspree bei Berlin versuchten Velozipede bei der Benutzung noch ihren Haken. So gut sie ihrem Zweck entsprechen, solange der Spiegel des Wassers ruhig oder nur von leichten Wellen gekräuselt ist, so wenig würden sie dem Wellengang bei einigermaßen heftigen Winden trotzen können, ohne umzukippen und ihrem Besitzer, wenn nicht ein nasses Grab, so doch ein gehörig durchnässtes Gewand einzubringen. Vor dem Untergehen würden ja freilich die auf unserem Bilde sichtbaren Wasserfahrräder durch ihre gewaltigen pneumatikartigen Luftreifen hinreichend geschützt sein. Über die Konstruktion der Räder ist wenig zu sagen. Zum Tragen des ganzen Mechanismus und des Radfahrers selbst dienen die mehr als fußdicken luftgefüllten Gummireifen, die übrigens bei anderen Wasserfahrrädern, mindestens ebenso zweckmäßig wohl, durch lange und schmale luftgefüllte Metallschwimmer ersetzt werden. Den Antrieb Vermitteln Kurbeln und Ketten wie beim gewöhnlichen Dreirad, und die kleinen seitlich in die Räder eingesetzten Brettchen oder Schaufeln setzen durch ihre Reibung am Wasser wie die Schaufelräder der älteren Dampfer die Raddrehung in eine Fortbewegung um.

• Auf epilog.de am 29. Mai 2022 veröffentlicht