VerkehrNahverkehr

Personenaufzüge für den Straßenverkehr

Das Neue Universum • 1898

Es kommt ziemlich häufig vor, dass der öffentliche Verkehr die fortwährende Beförderung größerer Menschenmengen über bedeutende Höhendifferenzen erfordert. Es stoßen z. B. in Städten mit bergigem Terrain mitunter Straßen aneinander, von denen die eine 20 m oder noch mehr über die andere erhöht ist, oder es handelt sich um den Verkehr zwischen hochgelegenen Straßen und benachbarten Hafenkais an Fluss- oder Meeresufern. Der große Personenaufzug in StockholmDer große Personenaufzug in Stockholm. Einen solchen Aufzug zu gleichzeitiger Beförderung von je 15 Personen zeigt unsere Abbildung des sogenannten ›Mosebacken-Hissen‹ in Stockholm. Wie in der schwedischen mitten zwischen den Wasserarmen des Mälarsees erbauten Hauptstadt mehrfach steile Granithöhen unmittelbar aus dem Häusergewirr emporsteigen, so ist in Södermalm auf dem Mosebacke (Mosesberg) sogar ein ganzes Stadtviertel auf einer solchen, die untere Stadt um 35 m überragenden Anhöhe erbaut. Die herrliche Aussicht von den oben gelegenen Vergnügungslokalen lockt besonders einen starken Fremdenstrom nach Mosebacke hinauf, zumal seit der 1883 dem öffentlichen Verkehr übergebene Personenaufzug die Auffahrt sehr bequem macht. Zwei aus hydraulischen Stempeln ruhende Aufzugsbehälter bewegen sich im Innern eines Gerüstes von Eisenträgern, welches auf einem freien Platz in der Nähe des Wassers errichtet ist und durch eine Eisenbrücke von 150 m Länge, hoch über die Dächer drei- und vierstöckiger Häuser hinweg, mit dem Rücken der Anhöhe verbunden ist. Die Auf- oder Niederfahrt dauert kaum eine Minute und kostet aufwärts 5 Oer oder etwa 6 Pfennig, abwärts 3 Oer. Der Aufzug kann in jeder Stunde mindestens tausend Personen aufwärts und ebensoviele hinunterbefördern.

Ein ähnlicher Personenaufzug, dessen Höhe sogar 60 m beträgt, wurde 1890 am Mönchsberg in Salzburg gebaut und steht seitdem ununterbrochen in starkem Betrieb. Man betritt ihn durch das Innere eines anliegenden Hauses und wird aus dem unteren Teil der Stadt in 2 Minuten auf das ebenfalls bebaute Plateau des Mönchsberges befördert. Auch hier sind zwei, durch Stahlseile miteinander verbundene Coupes für je 12 Personen vorhanden, von denen das sinkende jedes Mal das emporsteigende hinaufzieht, so dass nur der Unterschied des Gewichts und die Reibung durch eine Maschinenkraft von 15 PS ausgeglichen werden muss. Dieser Aufzug wird ebenso wie der nachstehend beschriebene in Bern durch Elektrizität in Bewegung gesetzt, während derjenige in Stockholm seinen Antrieb durch eine Dampfmaschine und hydraulische Pressen erhält. Der 1897 in Betrieb gesetzte Personenaufzug in Bern vermittelt den 30 m betragenden Höhenunterschied zwischen dem an der Aare gelegenen unteren Stadtteil und dem hohen Plateau, welches unmittelbar daran stößt. Ein 14 PS-Elektromotor bewegt gleichzeitig zwei an den Enden eines Drahtseiles in einem eisernen Gerüst laufende Behälter für je sechs Personen und legt die Höhendifferenz von 30 m in 40 Sekunden zurück.

Entnommen aus:


Zeitreisen mit Aufzügen und nach Berlin

Kultur + Technik von 1833 bis 1913

edition.epilog.de

Zeitreisen mit Aufzügen und nach Berlin
Die ›Zeitreisen‹ knüpfen an die Tradition der Jahrbücher wie ›Das neue Universum‹ oder ›Stein der Weisen‹ an. Eine bunte Auswahl von Originalartikeln begleitet den authentischen und oft überraschend aktuellen Ausflug in die Geschichte. Kultur- und Technikgeschichte aus erster Hand, behutsam redigiert, in aktueller Rechtschreibung und reichhaltig illustriert. Auszug aus dem Inhalt: Die Eröffnung des Themse-Tunnels; Die neue Pontonbrücke über den Stößensee bei Spandau; Die Grundsteinlegung der Göltzschtalbrücke; Die Uraniasäulen in Berlin; Die elektrische Eisenbahn in Budapest; Von Kiel nach Brunsbüttel; Die Dresdner Chaisenträger; Das Elektromobil Lohner-Porsche; Personenaufzüge für den Straßenverkehr; Das transatlantische Kabel im Dienste der Wissenschaft; Eine Stunde auf der Berliner Börse; Die Mineralquelle zu Selters; Fabrikation der Zündblättchen; Die Maulwurfsarbeit der Großstädte; Die Berliner Wasserwerke; Eine elektrische Müllverladestation; Beförderung von Feuerspritzen auf Schienengleisen; Elektrische Beleuchtung in Berlin; Die öffentlichen Bäder in Budapest; Ein Wiener Kaffeehaus; Das Parlament in London  PDF-Leseprobe € 18,90 | 196 Seiten | ISBN: 978-3-7543-9786-2

• Auf epilog.de am 27. Februar 2021 veröffentlicht