Bau & ArchitekturTunnel

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Eurasien-Tunnel

Durchbruch am Bosporus

Ein Riese taucht tief und bringt Europa und Asien zusammen

Neuigkeiten • 28. August 2015

Das Schneidrad der 13,66 m großen Tunnelbohrmaschine kurz nach dem Durchstich im Zielschacht auf der europäischen Seite des Bosporus. Gut zu erkennen sind die verschiedenen austauschbaren Abbauwerkzeuge wie Schneidrollen und Schälmesser, die auf den 6 Hauptarmen angebracht sind. [Foto: Herrenknecht]

Am Nachmittag des 22. August 2015 durchstach ein Herrenknecht-Mixschild mit einem Bohrdurchmesser von 13,7m plangenau die Zielschachtwand auf der europäischen Seite der Mega-City Istanbul. Nach 16 Monaten Vortrieb unter der Meerenge des Bosporus war das Auftauchen des Bohrriesen ein ingenieurtechnischer und emotionaler Triumph für das bauausführende, türkisch-südkoreanische Joint Venture. Die 3,34km lange Unterfahrung für den zweistöckigen Eurasia-Autotunnel, gestartet von der asiatischen Landseite, stellte bei Wasserdrücken bis zu 11 Bar einen gewaltigen Härtetest für hochmoderne Tunnelvortriebstechnik dar. Der erfolgreich abgeschlossene Vortrieb markiert neue Machbarkeits-Standards im Tunnelbau. In Istanbul sorgt der neue Autotunnel für eine gravierende Verkehrsentlastung beim Passieren der Meeresenge.

Im weltweiten Tunnelbau umrankt wenige Projekte das Superlativ ›Jahrhundertbauwerk‹. Der mit 13,7m Bohrdurchmesser erstellte Eurasia-Autotunnel in Istanbul, eine insgesamt 5,4km lange Unterquerung des Bosporus, wird dieser Auszeichnung in mehrfacher Hinsicht gerecht. Sultan Abdülmecid I., Herrscher über das Osmanische Reich, forcierte bereits im 19. Jahrhundert als großer Visionär die Planung eines Tunnels unter der Meerenge. Dieser erwies sich mit den Mitteln der damaligen Zeit allerdings als unmöglich.

Neue Machbarkeits-Standards

Gestartet war die kühne Mission mit der in Schwanau speziell designten, 3300t schweren Unikat-Maschine im April 2014. Sie legte in einem gigantischen Startbauwerk auf der asiatischen Seite am süd-östlichen Ende des Bosporus los. Bei einem Gefälle von 5% tunnelte sich der großformatige Mixschild bis zum tiefsten Punkt 106m unter dem Bosporus. Dort herrschen 11 Bar Wasserdruck. Kombiniert mit einem sehr wechselhaften, verschleißintensiven Untergrund stellt das für die Abbauwerkzeuge des riesigen Schneidrades eine Extrem-Anforderung dar. Hierfür bedurfte es diverser Sicherheitsfeatures, die nur Herrenknecht durch Referenzen erprobt und weiterentwickelt für Pionierprojekte liefern kann.

Der Bau der 3,34 km langen Röhre für den Eurasia Tunnel zählt aufgrund der technisch extrem komplexen Herausforderungen zu den weltweit anspruchsvollsten Tunnelbauprojekten. Dank einer optimalen Zusammenarbeit aller Projektpartner konnte der Vortrieb am 22. August 2015 termingerecht abgeschlossen werden. [Foto: Herrenknecht]

»Die besondere Herausforderung bestand darin, ein Schneidrad zu entwickeln, das den Wechsel der Abbauwerkzeuge auch bei dem enormen Außendruck sicher von innen ermöglicht«, erklärt Werner Burger, Konstruktionsleiter bei Herrenknecht. Ergebnis: ein durch schmale Arbeitskammern von der Rückseite begehbares Schneidrad. So können die Werkzeuge durch spezielle Schleusensysteme vom Personal unter atmosphärischen Druckverhältnissen sicher ausgetauscht werden. Darüber hinaus war die Tunnelbohrmaschine (TBM) mit Spezial-Equipment zum Einsatz von Sättigungstauchern ausgestattet. »Alle Einrichtungen haben sich im Verlauf des Vortriebs bei Wartungs- und Reparaturarbeiten bewährt«, so Burger.

Dank der Pionier-Technologie und der idealen Zusammenarbeit aller Projektpartner erreichte die TBM unter dem Bosporus hervorragende Bestleistungen von bis zu 92m pro Woche.

Ab Ende 2016* sollen im Eurasia Tunnel täglich rund 100000 Fahrzeuge auf zwei übereinanderliegenden Fahrbahnen zwischen den Kontinenten wechseln. Das neue Tunnelbauwerk ist die erste direkte Verbindung zwischen dem historischen Golden Horn auf der europäischen Seite und dem Hafengebiet auf der asiatischen Seite. Es wird den chronisch verstopften Verkehr in Istanbul entscheidend entlasten und die Fahrtzeit von heute 100 auf nur noch 15 Minuten reduzieren.

Quelle: Herrenknecht AG

Links:  Hightech unter dem Bosporus – Ultimativer Tunnel-Vortrieb

*) Der Tunnel wurde am 20. Dezember 2016 für den Verkehr freigegeben.

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