Bau & ArchitekturÖffentliche Bauten

Der öffentliche Badeplatz in der Außenalster bei Hamburg

Deutsche Bauzeitung • 19.5.1870

Voraussichtliche Lesezeit rund 4 Minuten.

Hamburg ist bei seiner günstigen topographischen Lage nicht arm an Wasserflächen, die zur Anlage eines öffentlichen Badeplatzes geeignet sind; zwei Etablissements dieser Art an den Ufern der Elbe werden von dem Publikum der Hafengegend eifrig in Anspruch genommen. Gegen die Hafenbauten und sonstigen Verkehrseinrichtungen mussten dieselben immer zurückstehen, und daher schon oft von einer Stelle zur anderen wandern, was ein Grund für die möglichste Einfachheit der Anlage gewesen ist, die dem Charakter des umliegenden Terrains entspricht. Bei der großen Ausdehnung der Stadt stellte es sich aber als ein Bedürfnis heraus, auch in dem Alsterbassin einen öffentlichen Badeplatz einzurichten. Eine solche Anlage hatte hier in Rücksicht auf den ländlichen Charakter der dies Bassin in weiter Ausdehnung umgebenden Uferpartien, die größtenteils von reizenden Villen und Landhäusern- der Hamburger Aristokratie eingenommen werden, mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, da das Etablissement einesteils allen Anforderungen auf Annehmlichkeit der Benutzung und Leichtigkeit des Zuganges vollkommen genügen, anderen­teils aber auch so disponiert werden musste, dass dessen Nachbarschaft in dieser wertvollen Gegend keinen nachteiligen Einfluss auf die Beliebtheit des umliegenden Terrains ausüben konnte.

Es schien deshalb geboten, den neuen Badeplatz nicht als isoliertes Bauwerk von dominierendem Charakter zu behandeln, sondern denselben in Anschluss an die Gartenanlagen und Gebüsch­partien der Umgegend dem Anschein nach in untergeordneter Bedeutung zu lassen und denselben auf einer künstlich hergestellten Insel dem Anblick vom Land aus zu entziehen. Ein aus diesen Erwägungen hervorgegangenes Projekt wurde von Ober-Ingenieur Plath aufgestellt und ist im vorigen Jahre von mir unter der speziellen Leitung des Bezirks-Ingenieur Horst ausgeführt worden.

Es wurde zunächst mittels des durch den Alster-Dampfbagger gelieferten Materials eine Insel gebildet und dieselbe in den aus der kleinen Vogelperspektive ersichtlichen Grenzen bis auf eine Höhe von 3 Fuß* *) 1 Hamburger Fuß = 28,65 cm über den gewöhnlichen Wasserstand der Alster durch Stack­werk und davor gebrachtes Steinmaterial genügend gegen das Wasser geschützt. Durch Einbringen von schwarzer Erde wurde es möglich, die Oberfläche mit gärtnerischen Anlagen zu schmücken, die in durchaus gelungener Weise hergestellt wurden. Hierauf wurde das Badebassin zunächst vorschriftsmäßig ausgebaggert und sodann der Boden desselben durch eine wieder eingebrachte Sandschicht gleichmäßig in der Weise ausgeglichen, dass das Bassin an der äußersten Seite die größte Tiefe von 5 Fuß unter Wasser zeigt, während dasselbe nach dem Land zu bis auf 2 Fuß sich abflacht. Es hat sich diese Wassertiefe bei der nachherigen Benutzung als sehr praktisch bewiesen; denn währen geübte Schwimmer bei 5 Fuß Wasser genügend Gelegenheit haben, ihre Fertigkeiten zur Geltung zu bringen, wird dabei jede Gefahr für Ungeübte und Kinder vermieden, da jeder bei dem gleichmäßig sich senkenden Boden nicht weiter gehen wird, als ihm seine Körper-Verhältnisse erlauben. Nach dem Badebassin zu wurde die Insel durch eine kleine hölzerne Vorsetze abgegrenzt, während eine aus schmiedeeisernen Trägern und steinernen Widerlagern konstruierte Fußbrücke die Kommunikation nach dem Lande zu vermittelt.

Die Anordnung der Gebäude zeigt die Grundrissskizze. Es handelte sich darum, dem großen Publikum zwar möglichst viel Platz zu verschaffen, jedoch daneben auch Einzelnen Gelegenheit zu geben, in bescheidener Zurückgezogenheit sich an- und auszukleiden. Es wurden zum Ende der Mittelbau sowie die beiden Eckpavillons in zweckmäßiger Weise mit nahezu 300 Sitzplätzen versehen, die unentgeltlich jedem zu Gebote stehen, während die Benutzung der dazwischen liegenden verschließbaren Doppel- und Einzel-Kabinette gegen eine kleine, an den Badewärter zu zahlende Vergütung für Wäsche etc. erfolgen kann. Ein Rettungs-Zimmer mit den nötigen chirurgischen Apparaten für etwaige Unglücksfälle, sowie ein Badewärter-Kabinett fehlen nicht. - R E K L A M E - Schmiedekunst und Glockenguss Das Gebäude ist auf massiver Untermauerung aus Holz mit gespun­deter und mit Fugenleisten versehener Schalung hergestellt und mit einem gelblichen Ölfarbe-Anstrich versehen; Gesimse sowie Fugenleisten wurden mit einem dunkleren Tone gestrichen. Der ganze Bau gewährt, von Gebüsch­partien umgeben, vom Land aus eine wohltuende Erscheinung und verhindert jeden Einblick von hier in das Bassin.

Gegen die Außenalster zu ist das Badebassin durch eine Planke abgeschlossen, die so eingerichtet ist, dass dieselbe im Winter abgenommen werden kann, während die eingerammten Pfähle mit den Riegeln stehenbleiben. Die Toiletten sind in einem isolierten Gebäude untergebracht und mit einer wasserdichten, zum Austragen eingerichteten Grube versehen.

Die Erdarbeiten wurden von dem Unternehmer Vogelsang, die Zimmerarbeiten von dem Zimmermeister Kilb in anerkennenswerter Weise ausgeführt. Wenn vor und während der Ausführung von mehreren Seiten Zweifel darüber laut wurden, ob der Badeplatz wirklich allen Ansprüchen genügen würde, so sind diese Zweifel seither durch die Erfahrung völlig beseitigt worden, und erfreut sich die ganze Anlage des ungeteilten Beifalls der hiesigen Bevölkerung.

• W. Rambke, Bau-Kondukteur.

• Auf epilog.de am 18. Juli 2025 veröffentlicht

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