VerkehrNahverkehr

Neue elektrische Akkumulatoren-Omnibusse in Wien

Von Ingenieur Ludwig Spängler
Direktor der städtischen Straßenbahnen in Wien

Allgemeine Automobil-Zeitung • 18.10.1914

Voraussichtliche Lesezeit rund 12 Minuten.

Die Gemeinde Wien hat schon frühzeitig, wenn auch in kleinem Umfang, Versuche mit Automobil-Omnibussen verschiedener Systeme gemacht. Es gehören hierher die Linien von Simmering nach Kaiser-Ebersdorf und von Kagran über Leopoldau nach Florids­dorf, beide mit Benzin-Autobussen, und die Linie von Pötzleins­dorf nach Salmanns­dorf mit elektrischen Ober­leitungs-Autobussen.

Elektrischer Akkumulatoren-OmnibusAbb. 1. Der elektrische Akkumulatoren-Omnibus mit Unterbau der Daimler-Motoren AG und Oberbau nach dem System und Patent Prängler.

In größerem Ausmaß erfolgte ein Versuch mit elektrischen Akku­mulatoren­wagen auf der Linie Volksoper – Währingerstraße – Stephansplatz, auf welcher 13 kleine Elektrobusse seit mehr als zwei Jahren mit gutem technischen Erfolg in Betrieb stehen, wobei auch die in Betracht kommende Steigung von 35 ‰ keine Schwierigkeit geboten hat. Diese Wagen sind mit in die Vorderräder eingebauten Radnabenmotoren, System Lohner-Porsche, ausgerüstet, haben einen kurzen Radstand und eine zwischen den Achsen angebrachte, von unten her bequem auszuwechselnde Akkumulatorenbatterie der Akkumulatoren-Fabrik AG zu Wien. Die Wagen haben einen sehr geringen Fassungsraum von nur 18 Personen (13 Sitz- und 5 Steh­plätze) und sind daher für einen großstädtischen Massenverkehr entschieden zu klein, was sich auch durch verhältnismäßig niedrige Einnahmen ausdrückt, so dass das finanzielle Ergebnis des Betriebes kein besonders günstiges ist. Obwohl sich die Gemeinde Wien mit Rücksicht auf den Wunsch, große schon anderwärts in langjährigen Betrieben erprobte Wagen verwenden zu können, zunächst für die Einführung von Benzin-Autobussen entschloss, widmete sie doch dem elektrischen Akkumulatoren-Autobusbetrieb ein sehr lebhaftes Interesse. Dies wegen der zweifellos vorhandenen hygienischen Vorteile und der Annehmlichkeit des elektrischen Betriebes für das Publikum, sowie auch, um sich durch die Ladung der Akkumulatoren für ihre Elektrizitätswerke eine neue Einnahmequelle zu sichern. Es wurde daher die Fortsetzung der Versuche mit elektrischen Akku­mulatoren­wagen von größerem Fassungsraum ins Auge gefasst.

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Neuerscheinung

Ludwig Spängler (1865 – 1938) war der Wegbereiter des modernen Wiener Nahverkehrs. Als Direktor der städtischen Straßenbahnen in Wien verwandelte er das veraltete Verkehrssystem in einen hocheffizienten städtischen Betrieb. Unter seiner Leitung wurde die flächendeckende Elektrifizierung des Straßenbahn-Netzes abgeschlossen und die Abkehr von der Pferdetramway vollzogen. Spängler vereinheitlichte das Liniennetz, modernisierte den Wagenpark und schuf die infrastrukturelle Basis für den massiven Ausbau der Straßenbahn.
Dieses Buch versammelt die zwischen 1910 und 1915 in verschiedenen Zeitschriften erschienenen Texte von Ludwig Spängler, in denen er detailliert und mit vielen Abbildungen illustriert die Konstruktion der an die speziellen Wiener Verhältnisse angepassten Straßenbahnen und Autobusse beschreibt.
  PDF-Leseprobe € 16,90 | 142 Seiten | ISBN: 978-3-695-72867-1

• Auf epilog.de am 3. März 2026 veröffentlicht

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