DaseinsvorsorgeWasserwirtschaft

Die Wasserleitungen der alten Römer

Das Pfennig-Magazin • 15.6.1833

Die Wasserleitungen gehören zu den ehrwürdigsten, größten Unternehmungen, die der menschliche Geist je gefasst und ausgeführt hat. Jede bedeutende Stadt im unermesslichen Römischen Reich besaß dergleichen. Während wir überkultivierten Europäer in den angesehensten Städten oft Mangel an gutem reinen Trinkwasser leiden, scheinen sie mit dem Wasser überhaupt einen Luxus getrieben zu haben, aber einen Luxus, der eben so wohltätig als majestätisch war. In Spanien, Gallien, Italien sind überall noch Reste dieser uns fast unbekannten Werke der Baukunst. Was wir in der Tat aufweisen können – nämlich unsere unterirdischen, halbverfaulten Röhren, die alle Augenblicke in Trümmern zerfallen – sind wie die Arbeiten von Liliputer Zwergen gegen das, was in dieser Art die Römer unternehmen.

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Noch finden sich Ruinen in allen Städten der alten römischen Herrschaft, die uns in Erstaunen setzen. Besonders in Rom selbst sieht man diese stolzen Behälter in mehreren Stockwerken übereinander, gleich in die Luft hingeworfenen Brücken, und wenn sie durch ihre Festigkeit der Ewigkeit Trotz zu bieten scheinen, so sind doch die unterirdischen noch viel bewundernswerter. Noch sind Reste von Claudius Wasserleitung, die durch einen Berg ging, der dem Jura wenig nachgibt, übrig. Bei der Villa Medici führen noch jetzt 124 Stufen zu einem solchen Aquädukt, der vielleicht 40 Meilen von Rom seinen Ursprung nahm. Überhaupt scheinen selbst viele Privatleute Wasserleitungen gehabt zu haben, die ihnen meilenweit ihren Bedarf zuführten. Die Römer, sagt Bonstetten, nicht zufrieden, auf der Erde zu gebieten, schufen sich auch gleichsam eine unterirdische Herrschaft, und es ist in der Tat nicht zu leugnen, dass wir Neueren in der Benutzung des Wassers lange nicht so weit sind, wie sie es vor 2000 Jahren waren.

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