VerkehrLuftfahrt

Flughafen Berlin-Brandenburg International

Hochtief hat die Nase vorn

Berliner Wirtschaft • 9.10.1998

Das Konsortium ›Flughafen-Partner für Berlin und Brandenburg‹ hat die Nase vorn bei der Privatisierung und dem Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International. Am 18. September 1998 haben die Gesellschafter der Berlin-Brandenburg Flughafen Holding GmbH (BBF) entschieden, die Verhandlungen zunächst mit dem Konsortium, bestehend aus der Hochtief AirPort GmbH, ABB Calor Schaltanlagen AG, Flughafen AG Frankfurt und der Bankgesellschaft Berlin, fortzuführen und innerhalb kürzester Zeit eine Absichtserklärung, in der die wesentlichen wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen für die abzuschließenden Verträge festgelegt werden, abzugeben.

Berlins Regierender Bürgermeister, Eberhard Diepgen, betonte, dass die Entscheidung schwergefallen sei, weil die konkurrierenden Angebote dicht beieinanderlagen. Jetzt führe man zunächst Gespräche mit Flughafen-Partner für Berlin und Brandenburg, die nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung ein sog. bevorzugter Bieter wird. Aufgrund der vorläufigen Natur der Entscheidung scheidet aber das Konsortium Projektgesellschaft Berlin-Brandenburg International (PEG) nicht aus dem Verfahren aus, sondern bleibt in Bereitschaft, falls die Verhandlungen mit dem bevorzugten Bieter nicht zum Erfolg führen sollten. Die Schlussverhandlungen, in denen die Detailfragen geklärt werden, sollen bis Ende November termingerecht stattfinden. Mit einer Paraphierung der Verträge wird noch vor Weihnachten gerechnet.

Wahrzeichen wird ein Skyway.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg International soll in mehreren Ausbaustufen errichtet werden. Ein Skyway, der die zentralen Abfertigungsanlagen mit einem Satelliten verbinden soll, können ab 2035 zum Blickfang des geplanten Airports in Schönefeld werden. [Abb.: Flughafen-Partner, 1998]

Der Verkaufspreis wird nach Angaben Diepgens 650 Mill. DM betragen. Daneben werde ein Maximalpreis für die Errichtung des Flughafens garantiert und es ist vorgesehen, falls sich Einsparungen beim Bau ergeben, diese aufzuteilen. Der Regierende Bürgermeister rechnet mit einer termingerechten Errichtung des Flughafens Berlin-Brandenburg International. Vorgesehen ist seine Inbetriebnahme Anfang 2007, vorausgesetzt, das Planfeststellungsverfahren kann rechtzeitig abgeschlossen werden. Das Konsortium erhält eine Konzession für 50 Jahre ab Inbetriebnahme.

Das gesamte Bauvorhaben umfasst Investitionen in Höhe von rund 4 Mrd. DM. Generalübernehmer für den schlüsselfertigen Bau soll ein Konsortium aus Hochtief und ABB werden, rund 70% der Leistungen will man an Nachunternehmen aus den Regionen Berlin und Brandenburg vergeben.

In einer ersten Ausbaustufe werden im Rahmen eines Pierkonzeptes zentrale Abfertigungsanlagen errichtet, die für 25 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt sind. Mit der zweiten Ausbaustufe für 35 Millionen Passagiere wird der neue Flughafen sein Wahrzeichen erhalten: ein sog. ›Skyway‹, eine futuristische Brücke, die die zentralen Abfertigungsanlagen mit einem Satelliten ab 2025 verbinden soll. Im Endausbau könnten auf dem Flughafen im Jahre 2035 rund 45 Millionen Passagiere abgefertigt werden.

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Bereits in der ersten Ausbaustufe sind 108 Check-In-Schalter und zusätzlich sechs Expressschalter vorgesehen, die ergänzt werden durch elektronische Check-in-Einrichtungen und einem Check-in am Lehrter Bahnhof [seit 2002: Hauptbahnhof]. Der Flughafen soll einen unterirdischen ICE-Bahnhof erhalten und mit einem Airport-Express und einer S-Bahn verbunden werden. Für den Flugverkehr werden zwei voneinander unabhängige Start- und Landebahnen mit einer Länge von 3600m bzw. 4000m zur Verfügung stehen.

Der Chef der brandenburgischen Staatskanzlei, Dr. Jürgen Linde, sieht die Schulden der Berlin-Brandenburg Flughafen Holding GmbH durch den Verkauf weitgehend gedeckt. Für Infrastrukturmaßnahmen werde die öffentliche Hand rund 350 Mill. DM aufbringen müssen. Noch nicht eingerechnet seien die Kosten für zusätzliche Altlasten bzw. für die Umsiedlung von Gemeinden. Zur Mitfinanzierung des Flughafens will das Konsortium 1999 eine Passagiergebühr einführen. Im Gespräch sind derzeit 16,80DM pro Fluggast.

Nach Angaben des Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr, Hans Jochen Henke, sind die Aufgaben im Rahmen eines Public Private Partnerships zwischen dem Erwerberkonsortium und der öffentlichen Hand fair aufgeteilt: So verbleiben die Flughafengrundstücke weiterhin bei der öffentlichen Hand und werden an den privaten Betreiber verpachtet. Außerdem hat sich der Bund bereit erklärt, in Bezug auf die Realisierung der Verkehrsanbindung des Flughafens bestimmte Verpflichtungen zu übernehmen. Im Grundsatz, so Henke, müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass das unternehmerische Risiko voll und ganz vom Erwerberkonsortium zu tragen sein wird.

• Thomas Ebelt

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