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Berlin-Anhaltische Eisenbahn

Enzyklopädie des Eisenbahnwesens • 1912

Berlin-Anhaltische Eisenbahn, einschließlich der Oberlausitzer Eisenbahn rund 580km, ehemals deutsche Privateisenbahngesellschaft mit dem Sitz in Berlin, die nach Vertrag vom 8. März 1882 und dem Gesetz vom 13. Mai 1882 seit 1. Januar desselben Jahrs in das Eigentum des Staats übergegangen ist. Die B. ging hervor aus der im Jahr 1836 gegründeten Berlin-Sächsischen Eisenbahngesellschaft, die die Erbauung einer Eisenbahn von Potsdam bis zu einem passenderen Anschlusspunkt an die Leipzig-Dresdener Eisenbahn (Riesa) geplant hatte. Hierfür wurde die vorläufige Genehmigung durch Kabinettsorder vom 11. Juni 1836 erteilt. Es konnte jedoch mit der Berlin-Potsdamer Eisenbahngesellschaft eine Einigung über den Ausgangspunkt Potsdam nicht erzielt werden. So wurde denn Berlin zum Ausgangspunkt genommen und die vorläufige Genehmigung durch Kabinettsorder vom 25. Februar 1837 hierauf erstreckt. Gegen die Führung der Bahn auf Riesa wurden jedoch, wie bereits früher von der Heeresverwaltung, so später von dem Generalpostmeister v.Nagler gewichtige Bedenken erhoben. Nagler empfahl eine Linienführung auf Halle. Demgemäß wünschte die Staatsregierung den Anschluss der geplanten neuen Bahn an die Magdeburg-Leipziger Bahn, worauf die Gesellschaft die Linienführung Berlin–Luckenwalde–Dessau–Köthen vorschlug. Die Ausführung dieses Unternehmens wurde der Gesellschaft, die die Firma ›Berlin-Anhaltische Eisenbahn‹ angenommen hatte, durch Kabinettsorder vom 15. Mai 1839 genehmigt. Die erste Teilstrecke von Köthen bis Dessau wurde am 1. September 1840 dem Betriebe übergeben. Etwa ein Jahr später, am 10. September 1841, konnte bereits die gesamte Strecke eröffnet werden.

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Von besonderer Wichtigkeit war naturgemäß der Ausgangsbahnhof in Berlin, der an der ehemaligen Stadtmauer zwischen dem Potsdamer und dem Halleschen Tor seinen Platz fand. Er hat dem gesamten Stadtteile dort sein Gepräge gegeben. Die Elbe wurde bei Roßlau überschritten. Die Anhaltische Regierung gestattete die Benützung der dort bereits vorhandenen Elbbrücke gegen einen Brückenzoll.

 Im Jahre 1848 wurde die Zweigbahn von Jüterbog über Röderau nach Riesa mit den Anschlussstrecken Röderau–Leipzig und Röderau–Dresden, zu welchen Erweiterungen die Konzession bereits 1844 erteilt war, dem Verkehr übergeben. Damit gewann die Bahn den Anschluss an die sächsischen und österreichischen Linien (Prag–Wien–Triest). In der Mitte der 1850er Jahre folgten andere Erweiterungen. Im Jahre 1857 wurde die Strecke Dessau–Bitterfeld, 1859 wurden die Strecken Bitterfeld-Halle, Bitterfeld–Leipzig und Bitterfeld–Wittenberg eröffnet. Damit war der Anschluss an Thüringen und Bayern gewonnen und die Anhaltische Bahn zu einem wichtigen Gliede des mitteleuropäischen Bahnnetzes geworden. 1863 wurde die Herzoglich Anhaltische Leopoldsbahn Roßlau–Zerbst gepachtet und später angekauft. Hierzu trat 1874 die Fortsetzung nach Magdeburg. Im Jahre 1878 übernahm die B. den Betrieb der 1874 eröffneten Oberlausitzer Bahn Falkenberg–Kohlfurt.

 Bei der im Jahr 1882 erfolgten Verstaatlichung übernahm der Staat die Verwaltung und den Betrieb des ganzen Unternehmens auf ewige Zeiten und gewährte den Inhabern der Aktien eine feste jährliche Rente von 6% des Nennbetrages. Die Dividende der Bahn hatte in den letzten Jahren zwischen 5 und 6% betragen, während sie Anfang der 1870er-Jahre bis zum Dreifachen gestiegen war. Seit dem Jahre 1874 hatten die kilometrischen wie die Gesamteinnahmen abgenommen. Der Grund lag, außer in den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen, in der Erhöhung des Anlagekapitals der Gesellschaft, ferner in dem Entstehen von Konkurrenzunternehmungen. Von Letzteren war besonders die im Jahr 1875 eröffnete Berlin-Dresdener Bahn wichtig.

 Der Staat gewann durch die Verstaatlichung eine sehr leistungsfähige zweite Strecke nach Sachsen (im Besitz der Berlin-Dresdener Bahn war er bereits seit dem Jahre 1877), ferner die kürzeste Verbindung nach Leipzig-Halle und dem östlichen Thüringen, endlich den wichtigsten Weg von Berlin nach Frankfurt a.M. und dem südwestlichen Deutschland. Durch die Stammbahn war Berlin mit dem fruchtbaren und gewerbereichen Herzogtum Anhalt verbunden, während die von der B. betriebene Oberlausitzer Eisenbahn die Provinz Schlesien mit der Provinz Sachsen verband. Der Lokalverkehr hatte durch die Verkehrsbeziehung bedeutender Handelsplätze, wie Leipzig und Halle, sowie des Saale- und Muldegebiets mit Berlin eine große und stetig steigende Bedeutung. Im Zusammenhang mit der Berlin-Görlitzer Bahn erlangte die Staatsbahnverwaltung nunmehr die Herrschaft über den von Berlin ausgehenden Verkehr, abgesehen von der Linie Berlin-Hamburg. Von besonderer Wichtigkeit für die Eisenbahnverhältnisse in Berlin war der Erwerb des Anhalter Bahnhofs, hauptsächlich wegen der Möglichkeit der Mitbenutzung für die Berlin-Dresdener Linie.

• Quaatz

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