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Technik Museum Speyer

lexikon.epilog.de • 2016

Das Technik Museum Speyer hat seinen Ursprung im Auto & Technik Museum Sinsheim. Als zu Beginn der 1990er Jahre die Erweiterungsmöglichkeiten in Sinsheim fast erschöpft waren, ergab sich die einmalige Gelegenheit, im Zentrum von Speyer auf dem Gelände der ehemaligen Pfalz-Flugzeugwerke ein zweites Museum, das Technik Museum Speyer, zu errichten. Als Ausstellungshalle diente zunächst die ›Liller Halle‹, eine denkmalgeschützte Industriehalle aus dem Jahr 1913, in der heute insbesondere Oldtimer, Motorräder, Flugzeuge und historischer Feuerwehrfahrzeuge gezeigt werden. Derzeit verfügt das Museum über mehr als 25000m² überdachte Hallenfläche und 150000m² Freigelände.

Technik Museum Speyer

Durch das riesige Freigelände bot das neue Museum die Möglichkeit, den Besuchern außergewöhnliche Großexponate zu präsentieren. Den Anfang machte 1993 die U9, ein Unterseeboot der Bundesmarine mit einer Länge von 46 Metern und einem Gewicht von 466 Tonnen. 1999 folgte eine Antonov 22, das bis heute größte in Serie gebaute Propellerflugzeug der Welt mit einer Spannweite von 64 Metern und einer Länge von 58 Metern. Geschichte schrieb das Museum im Jahr 2003, als auf dem Museumsgelände eine Boeing 747 ›Jumbo Jet‹ der Lufthansa auf einem riesigen Stahlgerüst aufgebaut wurde. Der ›Jumbo Jet‹ im Technik Museum Speyer ist bis heute das einzige Flugzeug dieser Art, das zerlegt, an einen Ort außerhalb eines Flugplatzes transportiert und wieder zusammengebaut wurde. Zwei spektakuläre neue Großexponate, die seit 2012 die Ausstellungen des Technik Museum Speyer bereichern, sind der Seenotkreuzer John T. Essberger der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sowie ein Transall Transportflugzeug der Bundeswehr.

1997 eröffnete im Technik Museum Speyer das ›IMAX-Dome‹-Filmtheater. Im Gegensatz zu anderen Filmtheatern wird der Film im ›IMAX-Dome‹  nicht auf eine flache Leinwand, sondern auf eine riesige Kuppel projiziert. Die Kuppel des ›IMAX-Dome‹ hat einen Basisdurchmesser von 24 Metern und eine Fläche von annähernd 1000m². Das ›IMAX-Dome‹ ist das einzige Filmtheater dieser Bauart in Deutschland, das in Betrieb ist.

Im Jahr 2000 wurde auf dem Gelände des Technik Museum Speyer in einem historischen Gebäude, in dem einst die Verwaltung der Pfalz Flugzeugwerke untergebracht war, das Museum Wilhelmsbau eröffnet. Auf 4 Stockwerken mit rund 3000m² Ausstellungsfläche zeigt dieses ›Museum im Museum‹ u.a. mechanische Musikinstrumente, Moden des 18. und 19. Jahrhunderts, Künstlerpuppen, historische Waffen und Uniformen. Eine besondere Attraktion ist das ›Lindenstraße Zimmer‹ mit vielen Ausstellungsstücken rund um die beliebte Fernsehserie.

Technik Museum Speyer

Den vorläufigen Höhepunkt der Museumsgeschichte markiert der Erwerb eines russischen Buran-Raumgleiters, dem Gegenstück zum amerikanischen Space Shuttle. Der Transport des russischen Shuttles im Frühjahr 2008 von Bahrain über das offene Meer nach Rotterdam und von dort auf einem Ponton rheinaufwärts nach Speyer war ein Medienereignis ersten Ranges. Um das Shuttle den Museumsbesuchern angemessen präsentieren zu können, wurde auf dem Museumsgelände in Speyer eigens eine neue Halle errichtet. Das Gebäude hat eine Länge von 85 Metern, eine Breite von 75 Metern und eine Höhe von bis zu 22 Metern. Die Gesamtausstellungsfläche auf drei Ebenen beträgt rund 9000m². Außerhalb von Russland und Amerika ist die Buran in Speyer der einzige Raumgleiter, der in einem Museum besichtigt werden kann.

Neben der Buran präsentiert das Technik Museum Speyer in der neuen Halle gemeinsam mit der Space Expo e.V. die Raumfahrtausstellung ›Apollo and Beyond‹. Diese Ausstellung dokumentiert die spannende Entwicklung der bemannten Raumfahrt anhand einzigartiger Exponate. Von Raumanzügen über Weltraumnahrung bis zu einer Toilette, die auch in der Schwerelosigkeit funktioniert, ist alles zu sehen, was mit der Weltraumfahrt zusammenhängt. Des Weiteren ist es dem Space Expo e.V. gelungen, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das originale Trainingsmodul des Weltraumlabors Spacelab zu erhalten. Vom Raumfahrt-Unternehmen EADS Astrium kam ein 1:1 Modell des ISS-Moduls Columbus und von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA ein 1:10 Modell der Internationalen Raumstation ISS ins Museum. Im Mai 2010 wurde die Ausstellung um ein neues, besonders spektakuläres Exponat ergänzt: die original Landekapsel der Sojus Mission TM19, mit der der deutsche Astronaut Ulf Merbold im Jahr 1994 von der russischen Raumstation Mir zurück zur Erde flog.

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Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des ersten bemannten Raumflugs wurde die Raumfahrtausstellung Anfang 2011 wesentlich erweitert und zeigt jetzt zusätzlich 60 Informationstafeln sowie mehr als 100 Ausstellungsstücke zur Geschichte der bemannten sowjetisch/russischen Raumfahrt. Ein besonders interessantes Exponat ist eine originalgetreue 1:1Replik des Wostok-Raumschiffs, mit dem Juri Gagarin 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog.

Im Juni 2013 konnte der Raumfahrtausstellung mit dem Ausstellungsbereich ›Der Mond‹ ein weiteres Highlight hinzugefügt werden. Auf einer nachgebildeten Mondoberfläche wird hier die Geschichte der Mondlandungen dargestellt. Zu sehen sind neben ausführlichen Informationstafeln unter anderem originalgetreue Replikas der Apollo 11 Mondfähre ›Eagle‹, des Mondautos ›Lunar Roving Vehicle‹ (LRV), welches bei den Apollo 15 bis 17 Mondlandungen zum Einsatz kam, sowie von Raumanzügen, wie sie von Eugene A. ›Gene‹ Cernan, Apollo 17 Kommandant (CDR), und Harrison H. ›Jack‹ Schmitt, Apollo 17 Pilot der Mondfähre (LMP) getragen wurden. Das absolute Glanzstück der Ausstellung ist jedoch ein Stück Mondgestein, das am 1. August 1971 von den Astronauten Dave Scott und Jim Irwin, an der Station 4 der zweiten Apollo 15 Exkursion, von einem Basalt-Felsblock im Hadley-Apenninen Landegebiet abgeschlagen wurde. Das Technik Museum Speyer ist deutschlandweit die einzige Einrichtung, die einen Original Mondstein in detailgetreuer Kulisse und mit fundierten Informationen ausstellt.

Weitere Highlights in der Raumfahrthalle sind wechselnde Sonderausstellungen insbesondere aus dem Automobilbereich, sowie zwei permanente Motorradausstellungen – eine Münch-Ausstellung mit 26 Exemplaren des legendären ›Mammut‹ aus der Werkstatt des deutschen Motorradkonstrukteurs Friedel Münch und die von Moto Motion International präsentierte RaceBikeCollection mit Rennmaschinen aus der Zeit von den 1970er Jahren bis heute.

Unter dem Titel ›RaceBikeCollection‹ hat eine Gruppe von Motorradsport-Fans auf Initiative von Franz Rau eine Sammlung von Rennmaschinen zusammengestellt. Franz Rau, in den 1970er Jahren selbst als Rennfahrer aktiv, ist der ›Szene‹ als Geschäftsführer von Moto Motion International auch beruflich verbunden. Der Schwerpunkt der Exponate liegt auf der jüngeren Rennsport-Historie. Grand-Prix-Maschinen aus der Zweitakt-Ära der 1970er bis 1990er Jahre stehen neben den Viertakt-Superbikes, die sich ab den 1990er Jahren in der Rennsportgemeinde großer Beliebtheit erfreuten.

Mit über 55000m² Hallenfläche, weit über 150000m² Freigelände und über 6000 Exponaten sind die Technik Museen Sinsheim und Speyer die größten privaten Technikmuseen in Europa. Getragen werden die Museen seit der Anfangszeit vom gemeinnützigen Auto & Technik Museum e.V., dem über 2300 Mitglieder aus der ganzen Welt angehören. Die Finanzierung erfolgt allein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und den Eintrittsgeldern.

Quelle & Fotos: Auto & Technik Museum Sinsheim

Links:  Technik Museen Sinsheim und Speyer

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