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Straßenbahn für Lokomotivbetrieb in Wiesbaden

Zentralblatt der Bauverwaltung • 7.1.1882

Dem Besitzer der Wiesbadener Pferdebahn ist eine Straßenbahn für Lokomotivbetrieb konzessioniert, welche von der Mitte der Stadt ausgeht und über die Biebricher Chaussee, (die schöne, mit 4 prächtigen Baumreihen besetzte Adolfsallee) bis an den Rhein bei Biebrich führt, eine Entfernung von im ganzen 56 km. Mit der Pferdebahn sind in Wiesbaden von jeher schlechte Erfahrungen gemacht; sie passt nicht für das dortige Publikum, welches seiner großen Mehrzahl nach dem Grundsatz ›Zeit ist Geld‹ keineswegs huldigt, deshalb auch im allgemeinen durchaus nicht rasch vom Fleck befördert sein will, sondern seine 24 täglichen Mußestunden angemessen unterbringen muss. Deshalb beginnt der regelmäßige Betrieb der Pferdebahn selbst im Sommer kaum vor 8 Uhr, im Winter aber gar erst um 10Uhr morgens, und mancher Wagen fährt, leer oder mit 1 und 2 Personen.

Für die Straßenbahn hofft man nun auf bessere Ergebnisse, namentlich weil man sehr verständiger Weise einen neuen Faktor hin zugenommen hat: den Güterverkehr zwischen Wiesbaden und den Rheinschiffen. Diese offenbar einer Entwicklung fähige Idee erscheint auch für anderwärtige ähnliche Verhältnisse beachtenswert. Man wird wohl zunächst Stückgüter ins Auge fassen, aber auch Massengüter brauchen nicht ausgeschlossen zu sein und Anschlüsse an Etablissements und dergl. können recht wohl in Aussicht genommen werden. Für die Sommermonate wird der Personenverkehr bedeutend sein. Die starke Steigung der Adolfsallee, welche nicht den Talweg nimmt, in dem die Eisenbahnen liegen, sondern schnurstracks über die Adolfshöhe nach Biebrich führt, wird mindestens in den geneigten Strecken eine zweigleisige Anlage und außerdem die Verwendung verhältnismäßig schwerer Lokomotiven bedingen. Mit dem Bau soll in diesem Frühjahr begonnen werden.

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