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Der Riesen-Kastanienbaum des Berges Ätna

Das Pfennig-Magazin • 19.10.1833

Das beifolgende Bild stellt diesen Baum, der unter dem Namen des Kastanienbaums der hundert Reiter bekannt ist, dar, wie er im Jahr 1784 war.

Die Längen-Angaben und andere Maße des Original-Textes wurden in das metrische System umgerechnet.

Die Königin Johanna von Aragonien landete nämlich nach einer Sage auf ihrer Reise aus Spanien nach Neapel in Sizilien und besuchte mit einer Bedeckung von hundert Reitern den Ätna. Als sie ein Sturm auf dem Weg zu dem Feuerschlund überfiel, nahm sie mit ihrem ganzen Gefolge unter diesem Baum ihre Zuflucht gegen das Ungewitter.

Der Baum scheint aus 5 großen und 2 kleineren Bäumen zu bestehen, welche, da Rinde und Zweige ganz nach außen gekehrt sind, ursprünglich einen einzigen Stamm gehabt zu haben scheinen. Der größte Stamm hat 12m Fuß im Umfang, und der Umfang aller fünf gerade über dem Boden ist 51m. Er hat noch eine reichliche Belaubung und viele kleine Früchte, obgleich er inwendig ganz hohl ist. Eine Straße von zwei Wagenbreiten führt durch den Baum, und in der mittleren Höhlung ist noch Platz für eine Hütte, worin die Kastaniensammler die Früchte aufhäufen.

Die Sage der Eingeborenen versichert, er sei der älteste aller Bäume, und wegen der starken inneren Fäulnis kann man keine Jahresringe zählen und also den Sizilianern nicht mit Gründen widersprechen. Er kann aber wohl einige tausend Jahre alt sein. Freilich hat Adanson dem Baobab in Westafrika ein Alter von 5150 Jahren angewiesen, und Decandolle hält es für möglich, dass die berühmte Cupressus distich bei Chapultepec in Mexiko mit 37m Umfang noch alter sein könne.

Auch Brydone, dem man sonst Schuld gibt, dass er oft mehr glaubte, als er sah, überzeugte sich nach genauer Ansicht des Inneren vor 60 Jahren, dass der Stamm der Riesenkastanie aus fünf Bäumen zusammengewachsen sei, was auch andere Reisebeschreiber bemerkt haben wollten, und sagte seinen Begleitern seine Meinung; allein sie beteuerten, dass ihre Versicherung der Einheit des Stammes eine alte Volkssage in Sizilien sei. Als Brydone sich unter anderen sizilianischen Gelehrten an den Kanonikus Recupero in Katania wegen der Richtigkeit oder Unwahrheit dieser Sage wandte, erhielt er von ihm folgende Antwort: »Er habe auf seine Kosten rund um den Stamm durch Bauern die Erde aufwerfen lassen, und versichere auf seine Ehre, dass er gefunden habe, dass alle fünf Bäume unter der Erde in einer einzigen Wurzel vereinigt wären.«

Houel in seinem Voyage pittoresqne des isles de Sicile liefert die hier abgebildete Zeichnung und scheint sich viele Mühe gegeben zu haben, die Frage von der Wahrheit oder dem Zusammenwachsen mehrerer Bäume in Gewissheit zu sehen, er will jedoch vollkommen überzeugt worden sein, dass die anscheinende Trennung des Baums teils durch das Faulen des Stammes und teils dadurch entstanden sei, dass die nahen Landleute bei ihrer geringen Achtung vor so ehrwürdigen Altertümern beständig fortführen, Holz und Rinde zum Brennholz auszubauen.

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