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Gewinnung des Lacks

Das Neue Universum • 1896

Stocklack.

Der Lack (Gummilack), ein ebenso wichtiger wie infolge seiner Schönheit beliebter Farb- und Deckstoff, ist ein Harz, welches nach dem Stich der Lackschildlaus aus den jüngsten Trieben verschiedener tropischer Bäume ausläuft und an den Zweigen hängenbleibt. Man sammelt die Harzmassen, indem man diese Zweige abbricht oder aber die Harzkrusten ablöst. Ersterer heißt im Handel Stocklack und ist in unsrer ersten Abbildung dargestellt, letzterer Körnerlack. Die Gangesländer, Siam und Assam liefern die größte Masse, Bengalen und das Irrawaddybecken die besten Sorten, die meist nach China und Japan exportiert werden. Noch eine dritte Sorte kommt im Handel vor, der Plattenlack. Seine Herstellung geschieht in folgender Weise. Stocklack wird zerkleinert, um die Holz- und Rindenteile auszusondern, dann in Bottiche gesammelt und mit Wasser übergossen. Die Eingeborenen bearbeiten ihn dann, wie aus der folgenden Abbildung zu ersehen ist, mit den Füßen, indem das Wasser so lange erneuert wird, bis es klar bleibt. Sodann kocht man den Lack mit alkalischem Wasser, um den darin enthaltenen Farbstoff zu gewinnen. Das Harz sammelt sich dabei an der Oberfläche, während der schwerere Farbstoff, Lackdye genannt, niedersinkt. Dieser Farbstoff kommt dem der Cochenille (Karmin) sehr nahe und wird zum Färben von Baumwolle und Seide benutzt.

Das Harz bedarf vor dem Gebrauch einer Läuterung. Die obenauf schwimmende Masse wird in einen wollenen Sack gefüllt, einem offenen Kaminfeuer ausgesetzt und dann durch Wringen des Sacks in einem untergestellten Gefäß gesammelt. Aus diesem Gefäß wird die so erhaltene Flüssigkeit mittels Schöpfkelle auf kupfernen Rollen ganz dünn ausgebreitet. Im Handel unterscheidet man braunen, roten und blonden Plattenlack. Der Unterschied dieser Sorten besteht lediglich in dem Grade der Entfärbung des Rohmaterials. Man benutzt diese Masse größtenteils zur Bereitung von Schellack. Auf hiervon abweichende Art wird der chinesische und japanische Lack gewonnen.

Reinigung des Lacks.

Reinigung des Harzes.

Man macht Einschnitte in die betreffenden Bäume, am häufigsten in Rhus vernicifera (Lackbaum), der von den Japanern Wruschi genannt wird, in der Regel kultiviert man ihn zu diesem Zweck in Pflanzungen. Jung angepflanzte Bäume werden nach 810 Jahren zur Ernte benutzt, die in folgender Weise vor sich geht. Etwa 30cm vom Boden schabt man zunächst die oberste Schicht der Rinde mit einem Messer (Nr.2 in der untenstehenden Abbildung) in einer Breite von 3cm und einer Länge von 6cm ab und macht dann mit einem andern Messer (Nr.1) horizontale Einschnitte, die bis auf das Holz reichen. Vier Tage nachher tritt die Flüssigkeit aus, die man darauf in Gefäßen von Bambus (Nr.3) sammelt. Es muss dies gleich nach dem Austritt geschehen, weil die Flüssigkeit, wenn sie der Luft länger ausgesetzt ist, braun und endlich schwarz wird. Wenn das Harz nicht mehr fließt, werden die Einschnitte an einer andern Stelle des Baumes erneuert. Von einem Baum von 1520cm Umfang erntet man in der Saison 9095g. Die beste Sorte ist die von Mai bis Oktober geerntete; das Harz des Monats Oktober ist von zweiter Qualität. Man macht auch Einschnitte in die Äste und benutzt dazu das unter Nr.5 abgebildete Messer. Endlich wird noch ein Harz dritter Qualität auf folgende etwas umständliche Weise gewonnen. Wenn die Bäume kein Harz mehr geben, schneidet man die Zweige ab und legt sie in Bündel von 1m Länge zusammen. Nachdem diese 3 –4 Tage an der Sonne getrocknet haben, weicht man sie 56 Tage in Wasser auf und macht alsdann Einschnitte in die Zweige mit einem korkzieherähnlichen Instrument.

Werkzeuge zur Lackgewinnung.

Aus den kleinen Sammelgefäßen (Nr.3) kommt das Harz in größere Gefäße (Nr.4). Durch Beimischungen stellt man die verschiedenen Lacksorten her, deren es in China und Japan an hundert gibt. So z.B. mischt man Eisen- oder Stahlfeilspäne dazwischen, um damit dem Holz das Ansehen von Schiefer zu geben. Zuweilen setzt man diesem Lack auch etwas Öl zu, um ihn dünnflüssiger zu machen. Die meisten Lacksorten stellt man jedoch durch Beimischung von Farbstoffen her. Schwarzen Lack erhält man dadurch, dass man das flüssige Harz in einem ovalen Gefäß (Nr.8 auf der untenstehenden Abbildung) einige Zeit der Sonne aussetzt, wobei man das Gefäß schräg gegen die Wand lehnt (Nr.9) und es mit einer Art Schaufel (Nr.10) bearbeitet, wobei man in der Regel etwas Eisenfeilspäne zufügt. Auf dieselbe Weise werden auch die bunten Lacke hergestellt. In China nennt man denselben Baum (Rhus vernicifera) Tsi. Aus Nr.11 ist ersichtlich, in welcher Weise die horizontalen Einschnitte in die Rinde gemacht werden.

Vorbereitung bunter Lacke in Japan.

Die Herstellung der orientalischen (chinesischen und japanischen) Lackarbeiten ist sehr kompliziert und umständlich. Das zu lackierende Holz wird zuerst mittels Schabeisen aufs sorgfältigste geglättet und dann poliert, hierauf mit Hanfleinwand oder Bastpapier überzogen und erhält dann einen Überzug aus einer Mischung von Kleister, Rohlack, Ziegelmehl oder Ocker. Nachdem diese Grundierung einen Tag getrocknet hat, zeigt sie eine körnige Oberfläche, die durch einen Stein abgeschliffen wird, worauf die Fläche eine nochmalige Grundierung mit einer ähnlichen aber feineren Masse erhält. Nachdem dieselbe getrocknet und wieder geglättet worden, erfolgt ein mehrmaliger Anstrich, zuletzt mit schwarzem Lack und schließlich die sorgfältigste Glättung, bzw. Ebnung mit Magnolienkohle und Wasser. Damit ist die Grundierung endlich fertig und es kann nun die Bearbeitung und Bemalung mit den feineren Lacken erfolgen. Nachdem der Lack durch Beimengung von Kampfer dünnflüssig gemacht worden ist, wird die erste Lackschicht mit einem feinen Pinsel dünn aufgetragen und muss ganz langsam trocknen, damit sie keine Risse bekommt. Ist die Trocknung beendet, so wird mit Schachtelhalm und Holzkohle, auch wohl feiner Tonerde poliert. Dies Verfahren wird dann noch mehrmals wiederholt. Man geht dabei bis zu 1518 Schichten, bei Platten, deren fernere Bearbeitung für vornehme Personen oder gar für den kaiserlichen Hof bestimmt ist, noch höher. Damit hat der Lackierer seine Arbeit beendet und es folgt nun die des Künstlers. Die Japaner sind den Chinesen in dieser Hinsicht weit überlegen, weshalb denn auch die japanischen Arbeiten in Europa mehr bekannt sind als jene.

Die Zeichnungen, die sich größtenteils auf Pflanzen, Vögel, Insekten und fantastische Tiergebilde beschränken, werden in Farben, in Verbindung mit Vergoldung und Perlmutter, ausgeführt Die Figuren werden teils durchgepaust, teils frei mit der Hand angelegt. Nachdem alle Linien in den Lack mittels Stahlstiftes eingeritzt sind, erfolgt die malerische Ausführung. Neuerdings ist die pastose Ausführung der Figuren beliebt geworden, wodurch dieselben reliefartig aus der Fläche heraustreten. Vielfach geschieht dies durch Perlmutter, aus dem vorzugsweise Blumenkelche, Insekten und Teile des Gefieders ausgeschnitten und eingelegt werden. Meist aber wird dazu Kitt verwendet und dieser alsdann mit Malerei versehen. Die Vergoldung wird dadurch nuanciert, dass man sie mit einem grünlichen Lack überzieht oder das Gold vor dem Auftragen mit Silber legiert. Die ganze Malerei wird schließlich mit einem ganz feinen durchsichtigen Lack überzogen.

Siehe auch: Ursprung des Schellacks • Die Gartenlaube • 1866

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