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Eine neue Untergrundbahn in Paris

Das Neue Universum • 1896

Wohl alle Besucher der französischen Metropole kennen die kleine schmalspurige Eisenbahn, welche von Paris nach Sceaux führt; dieselbe wurde 1846 vom Ingenieur Arnoux gebaut. Diese Bahn führte durch die schönen Vororte Bourg-la-Reine, Sceaux, Fontenay-aux-Roses, Limours und Orsay, welche von Ausflüglern gern besucht wurden, so dass der Verkehr auf dieser kleinen Bahn sehr lebhaft war, wobei natürlich auch das Material stark abgenützt wurde. Die Compagnie d’Orleans, welcher diese kleine Bahn gehörte, entschloss sich daher, eine neue Bahn mit normaler Spurweite herzustellen. Da der Endpunkt der Strecke ziemlich weit vom Verkehrszentrum entfernt war, so entschloss man sich, die Bahn bis zum Place Médicis zu führen, welcher am Boulevard Samt-Michel liegt. Das Projekt wurde Ende des Jahres 1889 konzessioniert und nunmehr ist die Bahn vollendet. Der Bau wurde in einer interessanten Weise ausgeführt, indem es sich darum handelte, dass der Verkehr in den Straßen, durch welche die Bahn zu führen war, in keiner Weise gestört werden durfte.

Die unterirdische Station ›Médicis‹.

Die neue Bahn geht vom früheren Bahnhof in Sceaux aus und liegt anfangs im Straßenniveau, bald aber nimmt sie ihren Weg durch einen tiefen Einschnitt und dann durch einen nur selten unterbrochenen Tunnel, der unterhalb mehrerer Straßenlängen bis zum genannten Austrittspunkt am Place Médicis geführt ist. Die Anlage des daselbst befindlichen Bahnhofs ist aus der hier beigegebenen Abbildung zu ersehen.

Die Bahn ist systematisch unter das Straßenniveau in etwa 11m Tiefe verlegt, um deren spätere Verbindung mit andern bereits in Angriff genommenen Bahnen zu gestatten, so dass das Ganze alsdann als die von den Parisern längst erwünschte Stadtbahn gelten kann.

Die neue Bahn ist mit drei Bahnhöfen versehen; der eine ist, wie schon angeführt wurde, der alte Bahnhof in Sceaux, der in der Mitte gelegene wird als Station Porte Royal bezeichnet und die Endstation befindet sich am Place Médicis. Diese Bahnhöfe zeigen eine leichte gefällige Architektur und sind aus Eisen und Holz ausgeführt Nur am letztgenannten Bahnhofe sind die Wände mit Ziegeln und im Inneren mit weißen Porzellanfliesen verkleidet, was für die Reinhaltung sehr günstig ist, da sich diese Fliesen leicht abwaschen lassen; außerdem dienen dieselben aber auch zur Verstärkung der Beleuchtung, da, wie die Erfahrung gelehrt hat, der Reflex zur Erhellung der Bahnsteige sehr viel beiträgt.

Obwohl man bei dem vorhandenen trockenen Boden keine allzu großen Schwierigkeiten zu überwinden hatte, erschwerte doch der Umstand die Ausführung der Bahn, dass man die letztere unter sehr verkehrsreichen, mit vielem und schwerem Fuhrwerk befahrenen und mit Pferdebahnen durchzogenen Straßen anzulegen hatte und dass unterhalb die berühmten Katakomben von Paris die betreffende Gegend mit ihren gewaltigen Höhlungen oft durchkreuzen.

Die einzelnen Bauphasen bei der unterirdischen Fortführung der Bahnlinie von Sceaur. Die Anordnungen wurden nacheinander so getroffen, dass während der Arbeiten der Verkehr rechts, links und in der Mitte der Straße unbehindert war.

Die Wölbungen der alten unterirdischen Steinbrüche oder Katakomben befinden sich in einer Tiefe von 12 bis 22m unter den Schienen. An den Stellen, wo diese Wölbungen sich genügend widerstandsfähig zeigten, konnte man sich mit der Ausführung einer Mauer durch Verlängerung der Wandpfeiler begnügen, an zweifelhaften Stellen aber wurden Vertiefungen ausgegraben, die mit Mauerwerk ausgefüllt wurden, um als Fundament für genügend starke Pfeiler zu dienen.

Was die Gewölbe anbelangt, so wurde, wie aus den Abbildungen ersichtlich, ein sicheres und rasch ausführbares Verfahren angewendet, welches gestattete, einen Teil des Baus ohne Unterbrechung des Straßenverkehrs auszuführen, indem man das Erdreich selbst als Unterlage oder als Leerbogen für das Mauerwerk benützte. Dies geschah in folgender Weise.

Zuerst wurde ein seitlicher Graben hergestellt, in welchen man die Widerlager des Gewölbes aufmauerte. Dann wurde die Straße bis zur Mitte aufgerissen, wie Nr.1 der nebenstehenden Abbildungen zeigt, so dass auf deren anderer Hälfte noch genug Raum für den Verkehr blieb und, wie aus Nr.2 ersichtlich ist, die eine Hälfte des Gewölbebogens aus Formsteinen hergestellt, die man auf einer dünnen Lage von Zement bettete. Dann wurde (Nr.3) die andere Seite des Gewölbebogens in Angriff genommen, bis das Gewölbe in der aus Nr.4 ersichtlichen Weise fertiggestellt war. Natürlich mussten dabei ganz gewaltige Erdmassen ausgehoben werden. Von besonderer Wichtigkeit ist noch die Lüftung solcher Bahntunnel. Es lagen darüber schon Erfahrungen vor, die beim Betrieb von Untergrundbahnen in London und Amerika gewonnen worden waren. Mit Berücksichtigung derselben hat man auf der betreffenden Pariser Untergrundstrecke 23 vierseitige Kioske angelegt, welche als Lüftungsschächte dienen. Außerdem ist im Bahnhofe am Place Médicis ein hoher Schornstein angebracht und im Souterrain des Gebäudes ein kräftiger Ventilator aufgestellt. Noch ist darauf hinzuweisen, dass die besonders eingerichteten Lokomotiven wenig Rauch ausstoßen, was aber ganz vermieden worden wäre, wenn man von vornherein diese Bahn mit elektrischem Betrieb eingerichtet hätte.

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