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Die Taucherglocke

Das Pfennig-Magazin • 4.5.1833

Die Taucherglocke, deren Gebrauch, obschon ziemlich ausgebreitet, doch in Kurzem sicherlich noch weit mehr zunehmen wird, ist eine neue Eroberung des menschlichen Gewerbefleißes. Schon in früheren Jahrhunderten hat man zahlreiche Versuche angestellt, auf dem Boden des Wassers zu verweilen; allein erst in neuerer Zeit hat die Praxis jene theoretischen Untersuchungen und Versuche, welche man sonst gemacht hatte, anzuwenden verstanden.

Von dieser Taucherglocke hat man bei dem Bau der Brücke von Bordeaux einen glücklichen Gebrauch gemacht, und jetzt sind alle großen französischen Häfen damit versehen. In Cherbourg bedient man sich derselben zur Untersuchung und Beendigung der unteren Wände der Becken, welche man zur Aufnahme der Linienschiffe in den Felsen gehauen hat. Mit ihrer Hilfe kann man auf dem Grunde des Wassers fast eben so leicht arbeiten, als auf dem festen Lande unter freiem Himmel; man höhlt Felsen aus, sprengt Minen, nimmt die schwersten Steinblöcke weg und bearbeitet und vermauert sie.

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Vor kurzem wurde die englische Fregatte Tetis, auf der sich mehrere Millionen Piaster befanden, von einem Sturm an die Küste von Brasilien geworfen und zerschmettert. Ihre Trümmer, die während des Sturms zermalmt, zerstreuet und mit Felsenstücken im Sand herumgerollt wurden, waren in einer Tiefe von mehr als 10m begraben. Es trat eine Gesellschaft zusammen, der es gelang, vermittelst der Taucherglocke, aus diesem verworrenen Haufen einen großen Teil des verlorenen Geldes herauf zu holen. Wir wollen hier eine genaue Beschreibung der Taucherglocke mitteilen, welche der Engländer Spalding vervollkommnet hat.

Eine ganz einfache Erfahrung, die jedermann anstellen kann, wird ihm sogleich eine Einsicht in das Prinzip verschaffen, nach welchem die Taucherglocke eingerichtet ist. Man nehme ein Glas, dessen Inneres trocken ist, tauche es ganz senkrecht ins Wasser und ziehe es so wieder heraus, ohne es so wenig als möglich auf die Seite zu halten. Hier wird man sehen, dass die inneren Wände nur in einer gewissen Entfernung von den Rändern des Glases nass geworden sind, und dass sich das Wasser nicht im ganzen Glas ausgebreitet hat; eine Fliege, die man auf dem Boden befestigte, hätte ganz ohne Gefahr untertauchen können. Man denke sich nun das Glas vergrößert, und an die Stelle der Fliege einen Menschen, und man hat die Erklärung der Taucherglocke. Die Luft, welche einen kleineren Raum einnimmt, je tiefer man mit der Glocke hinab kommt, erhält endlich einen so hohen Grad von Springkraft (Elastizität), dass sie das Wasser nicht weiter hereindringen lässt. Jedoch ist es wahr, dass diese verdichtete Luft denjenigen ein höchst unangenehmes Gefühl verursacht, welche noch nicht an diese Spaziergänge unter dem Meer gewöhnt sind, und dass sie bei ihnen Ohrensausen veranlasst, allein nach kurzer Zeit gewöhnt man sich daran; es gibt Arbeiter, welche es mehrere Stunden lang in einer sehr großen Tiefe aushalten können. Unglücksfälle sind so selten, dass ihre Anzahl nicht die gewöhnlichen Grenzen übersteigt, zwischen denen jedes Menschenleben sich eingeschränkt befindet. Die Furcht kann daher keinen Neugierigen abhalten.

Unsere Abbildung stellt die in England gebräuchliche Taucherglocke vor. ABCD zeigen den Körper der Glocke an, der an vier Seilen aa hängt, welche sich in dem Haken des Hauptschiffsseils E vereinigen; bb sind die beiden Gewichte, die dazu bestimmt sind, die Öffnung CD der Glocke mit der Oberfläche des Wassers parallel zu halten. Damit die Maschine ins Wasser hinunter gelange, gibt es ein anderes Gewicht F, das man vermittelst eines Klobens nach Belieben auf- und abwinden kann, und das mehrere Zwecke hat. Wenn Eine der Seiten der Glocke beim Hinablassen durch ein Hindernis aufgehalten würde, so dass das ganze Zubehör umstürzte, so würde das Gewicht F sogleich auf den Grund des Wassers hinabsinken und auf dem Boden ruhen. Das Zubehör, das wieder leichter würde, als die aus ihrer Stelle verdrängte Wassermasse, würde in die Höhe steigen und seinen festen Standort von neuem einnehmen. Man sieht daher leicht ein, dass dieses Gewicht eine Art von Anker ist, der die Glocke in einer gewünschten Höhe erhält. Oben in der Glocke sind zwei Fenster angebracht, welche mit sehr dicken, flachrunden Gläsern geschlossen sind, die man Linsengläser nennt. G und H sind zwei Luftbehälter, wovon jeder ungefähr 150 Liter Luft enthält. Vermittelst des Hahns I und der Verbindungsröhren cc kann man nach Belieben die erhitzte und verdorbene Luft herauslassen, und sie durch reine und frische Luft ersetzen. Ist einer von den Behältern leer, so gibt man dem Fahrzeug, welches das ganze System unterstützt, durch eine gewisse Anzahl Hammerschläge an die Wände, Nachricht.

Eine sehr sinnreiche Vervollkommnung, die man Herrn Spalding zu verdanken hat, gestattet den Tauchern, die Glocke nach Belieben bis an die Oberfläche des Wassers selbst zu heben oder sie irgendwo in der Tiefe zu befestigen.

Eine zweite Glocke, kleiner als die erste, ist über dieser befestigt. Vermittelst der beiden Hähne d und e können die Arbeiter beliebig die Luft aus der oberen Glocke heraus-, oder jene aus der unteren in sie hineinlassen. Befindet man sich auf dem Grund des Wassers, so ist der Hahn d auf. Der obere Teil ist voll Wasser, und in diesem Zustande ist das ganze Zubehör ohne das Gewicht F leichter, als eine gleiche Masse Wassers, und wird durch das Hinzutun dieses Gewichts schwerer. Will man sich emporheben, so dreht man den Hahn e herum. Die Luft der großen Glocke, die sogleich durch jene des Behälters ersetzt wird, dringt in die kleine ein, treibt das Wasser heraus und das ganze Zubehör, nebst dem Gewichte F, wird leichter als eine gleiche Masse Wassers, und fängt an, emporzusteigen.

Man sieht hieraus, dass dieses System gänzlich mit jenem der Fallschirme bei den Luftballons übereinstimmt. Jedoch muss man sich in acht nehmen, und die Luft nur langsam in die obere Glocke eindringen lassen; denn sonst würde man mit einer solchen Schnelligkeit emporsteigen, dass die Arbeiter von ihren Sitzen geschleudert werden könnten.

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