FeuilletonLand & Leute

Der Schädelturm auf der Insel Djerba

Das Pfennig-Magazin • 12.6.1841

Dieser Text ist ein frühes Beispiel für ›Fake News‹, wobei ›früh‹ relativ ist, da seit Anbeginn der Kommunikation absichtlich oder unabsichtlich gestreute Falschmeldungen ein probates Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen sind.

Der hier beschriebene Schädelturm stammt von 1560. Beim Versuch Spaniens die Insel von Piraten zu säubern, gelang es den Korsaren unter ihrem Anführer Dragout mehr als 5000 Angreifer zu töten. Aus den Schädeln der getöteten wurde der Turm errichtet, der dann 1848 zerstört wurde.

Die Insel Djerba ist im Mittelländischen Meer an der Ostküste von Tunis gelegen, wozu sie auch gehört, und wird vom afrikanischen Festland durch einen Kanal getrennt, der an einigen Punkten nicht mehr als 20 Meter Breite hat. Die ziemlich zahlreichen Bewohner der durch große Fruchtbarkeit ausgezeichneten Infel (sie mag deren wohl gegen 30000 haben) sind zerstreut in mehre Dörfer oder Flecken, die nahe beieinanderliegen, und treiben bedeutende Woll- und Leinweberei. Der große Markt wird am Hafen gehalten, in dessen Nähe sich ein altes Schloss befindet.

Die Insulaner gelten zu Tripolis und Tunis für habsüchtig und ketzerisch; sie zeigen sich aber gegen Christen freundlich, gefällig und gastfrei; da ist keine Spur von Verachtung der Christen, wie sie sonst die Muslims so häufig und so gern auf jede Art und bei jeder Gelegenheit kundgeben; man würde glauben, unter Freunden zu sein, wenn nicht das Auge auf ein Denkmal tödlichen Christenhasses viele, welches das Blut in den Adern erstarren macht – eine Pyramide, erbaut aus Schädeln und Gebeinen grausam hingemordeter Christen.

In dem Krieg, welchen die Spanier im Jahr 1558 unter der Anführung des Herzogs von Medina-Celi gegen die Mauren führten, deren Heer Kara Mustafa befehligte, warfen sich 800 der Ersten in ein Fort und verteidigten sich dort mit heldenmütiger Tapferkeit. Die Mauren machten mehrere heftige Angriffe und berannten die Festung mit aller Macht, aber sie wurden jedes Mal mit bedeutendem Verlust zurückgetrieben und drei ihrer Oberanführer fielen, während nicht einem Spanier ein Haar gekrümmt wurde. Allein was so oft schon Belagerte, die das Schwert nicht besiegen konnte, bezwungen hat, das ward auch unseren heldenmütigen Spaniern verderblich – der Mangel an Lebensmitteln.

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Tag für Tag harrten sie zwar sehnlichst auf Hilfe und Entsatz, allein umsonst. Als nun endlich die Hungerpein den höchsten Grad erreicht hatte, sah sich die Besatzung genötigt, zu unterhandeln und erhielt das feierliche Versprechen eines freien Rückzugs. Kaum hatten sich aber die Mauren in den Besitz des Forts gesetzt, als sie wutentbrannt über die wehrlosen Gegner herfielen und, ihres gegebenen Versprechen treulos vergessend, sie grausam niedermetzelten. Hernach sammelten sie die Schädel und Knochen der Gefallenen und erbauten von ihnen das traurige Denkmal ihrer blutigen Tat, das unter ihren Händen bis zur Höhe von wohl 10 Metern anstieg. Noch jetzt steht es da und redet von ihr, ja es wird sogar noch von Zeit zu Zeit sorgfältig übertüncht. Dem Wanderer wird seltsam zumute bei diesem traurigen Anblicke; da liegen die Schädel, übereinander geschichtet, und die Augenhöhlen scheinen ein Grab zu suchen, und die Gebeine, aufeinander gehäuft, scheinen sich zu strecken und der letzten Ruhestädte im Schoß der heimischen Erde zu harren, doch findet sich keine Hand, die christlichen Brüdern den letzten Dienst zu erweisen bereit wäre. Die Mauren, die im Kampf mit jenen tapferen Spaniern fielen, liegen in der Nähe dieser Pyramide begraben, und aus der Menge der Gräber lässt sich schließen, dass die Anzahl derselben bedeutend war. Eine Kapelle ist über den Gräbern der drei Anführer errichtet.

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