Bau & Architektur

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Denkmäler für Alexander und Wilhelm von Humboldt in Berlin

Zentralblatt der Bauverwaltung • 2.6.1883

Am 28. Mai 1883, dem Geburtstage der Tochter Wilhelms von Humboldt, der verwitweten Frau Staatsminister von Bülow, sind die beiden Denkmäler Alexanders und Wilhelms von Humboldt in Berlin feierlich enthüllt worden. Der Ausschuss, welcher sich zum Zweck der Errichtung eines Nationaldenkmals für Alexander von Humboldt gebildet hatte, erließ im Jahr 1869 seinen Aufruf zur Sammlung von Beiträgen. Als Standort für das Denkmal war der Vorgarten des Universitäts-Gebäudes in Aussicht genommen. Durch Senatsbeschluss der Universität wurde aber die Aufstellung dieses Denkmals an der beabsichtigten Stelle nur unter der Bedingung zugestanden, dass an gleicher Stätte auch für Wilhelm von Humboldt ein Denkmal erstehe. Ein dahingehendes Gesuch des Ausschusses an den König fand Zustimmung, so dass nunmehr die Errichtung eines Standbildes für beide Brüder, und zwar für Wilhelm von Humboldt aus Staatsfonds, für Alexander von Humboldt aus den in ganz Deutschland gesammelten Beiträgen erfolgen konnte.

Aufteilung der Humboldt-Denkmäler.

Im Jahr 1876 wurde eine allgemeine Konkurrenz ausgeschrieben. Das Ergebnis war, dass im folgenden Jahr die Ausführung der Bildwerke dem Professor Reinhold Begas in Berlin für Alexander, dem Bildhauer Paul Otto in Rom für Wilhelm von Humboldt übertragen wurde, dem Ersteren mit abändernder Bestimmung in Betreff des Modells. Mit der Aufstellung wurde im Februar 1883 begonnen, doch wurde der Fortgang der Arbeiten durch den starken Frost in den Monaten Februar und März sehr gehindert, so dass die völlige Fertigstellung erst am 8. Mai zu ermöglichen war. Aus der nebenstehenden Skizze ist die Anordnung ersichtlich. Die langgestreckte Flucht des eisernen Gitters, welches den Vorgarten der Universität abschließt, ist an zwei Stellen durch Einbuchtungen in überhöhter Halbkreisform unterbrochen worden. Die Denkmäler, vor die Linie des Gitters mit ihrem Unterbau etwas vorspringend, überschreiten die eigentliche, durch eine besondere Stufe in ganzer Frontlänge vor dem Gitter fortgesetzte Flucht des Universitäts-Gebäudes nicht. Dem durch das mittlere Gartenportal Eintretenden zur Linken hat Wilhelm, zur Rechten Alexander von Humboldt seine Stätte gefunden; beide Denkmäler sind gegen den Garten der Universität durch das halbkreisförmig herumgeführte Gitter abgeschlossen; nach der Straße liegen sie frei, nur durch ein niedriges, ganz einfaches schmiedeeisernes Geländer umwährt. Das in Formgebung und Technik interessante eiserne Gitter des Vorgartens, das sich als außerordentlich schadhaft erwies, musste einer durchgreifenden Ausbesserung unterworfen werden, die durch Ed.Puls in Berlin vortrefflich ausgeführt worden ist. Die Denkmäler sind ganz aus weißem Marmor hergestellt. Auf 3,2m hohen, mit Inschriften und Reliefs geschmückten Unterbauten bis zu einer Höhe von über 5m aufragend, zeigen sie die Bildnisse der beiden Brüder in sitzender Stellung; sie fügen sich gut in das Gesamtbild der Universitätsfront ein und bilden einen hochbedeutsamen Schmuck an hervorragender Stelle der Hauptstadt des Deutschen Reiches.

• F.Z.

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