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Das große neue Wasserwerk für London

Die Gartenlaube • 1866

Die Längen-Angaben und andere Maße des Original-Textes wurden in das metrische System umgerechnet.

Kein Land der Welt kann sich so großartiger und nützlicher Unternehmungen rühmen, wie England. Während bei uns noch so viele Geld- und Geisteskräfte durch politische Unruhen und Konflikte verbraucht werden, richtet England seine reichen Kapitalien und Geisteskräfte ungehindert und frei auf Vervollkommnung sozialer und gesundheitlicher, der Verkehrs- und Handelsverhältnisse. So liegt jetzt einer der großartigsten Pläne zur Versorgung Londons mit gutem und reinem Wasser vor. Es gilt nichts Geringeres, als einen Aquädukt von mehr als 270km Länge, der sich von den Hügeln von Wales, Plinlimmon und Cader Idris bis vor London erstrecken soll. Jene Hügel liefern das Wasser zum Severn und zwei kleineren Flüssen, die für London in Anspruch genommen werden sollen. Die Terrainverhältnisse und das Wasser selbst sind ungemein günstig; Letzteres ist als Gebirgswasser ungemein weich und rein und fließt in solcher Fülle, dass London täglich mit 900 Mill. Litern versorgt werden kann. Da die Hügel mit diesen Flüssen 140 Meter über dem Hochwasser der Themse liegen, geben sie Gelegenheit, das Wasser in natürlichem Gefälle heranzuleiten. Es soll zunächst durch zwei Aquädukte je 30km lang in zwei Reservoirs geleitet werden; diese sollen dann vermittels zusammenlaufender Aquädukte vor acht Städten vorbei im Nordwesten Londons große Dienst-Reservoirs füllen. Von diesen aus werden 15km lange Röhren in die schon liegenden Röhren der jetzigen Wasser-Kompanien führen, von wo aus dann alle Teile Londons durch natürlichen Hochdruck ohne Pumpwerke mit dem besseren und gesünderen Wasser versorgt werden sollen. Die Kosten des ganzen Werkes sind auf 70 Mill. Taler veranschlagt worden, für die Ausführung glaubt man, sieben Jahre zu brauchen. Die Kosten erscheinen groß und werden wahrscheinlich noch überschritten werden; aber wenn der Nutzen an Gesundheit und sonstige Vorteile berechnet werden, wie man das nur in England versteht, wird auch dieses große Kapital sich reichlich verzinsen.

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So hat man bereits berechnet, dass dieses neue Wasser wegen seiner Weichheit eine jährliche Ersparnis von mindestens 2½ Mill. Taler verursachen werde, und zwar hauptsächlich allein an Seife. Dies erklärt sich durch die von Rawlinson ermittelte Tatsache, die er selbst im Wesentlichen so mitteilt: »Wasser bis zu sechs Grad Härte ist weiches Wasser, darüber hinaus hartes Wasser. Die Härte fängt mit einem Gramm Doppelkohlensaurem oder Schwefelkalk in jeder Gallone Wasser an. Jeder Grad der Härte zerstört 20g Seife in je 100 Liter Wasser, das zum Waschen gebraucht wird. Weiches Wasser ist daher ökonomisch wertvoller als hartes, und zwar in dem Verhältnis von zehn 40g Seife für je 100 Liter Wasser und für jeden Grad der Härte; d.h. also im Allgemeinen, je mehr Kalkteile das Wasser enthält, desto mehr Seife ist nötig, um diese zu binden und zu fällen. Erst wenn die Seife dies getan hat, übt sie ihre reinigende Kraft auf die Wäsche aus. Außerdem ist weiches Wasser aber auch viel gesünder, abgesehen davon, dass das Gebirgswasser, welches London versorgen soll, weit reiner ist, als alle Quellen, aus denen London bis jetzt getränkt wird. Endlich ist es bekannt, dass weiches Wasser nicht nur beim Waschen, sondern auch beim Kochen, namentlich bei der Zubereitung von Tee und Kaffee und von Hülsenfrüchten, sowie ganz besonders bei Verwandelung in Dampf große Ersparnisse verursacht.

Der Schöpfer dieses großen Planes, London mit Wasser zu versorgen, heißt J.F.Bateman, welcher schon Glasgow durch ein großartiges Bauwerk mit reinem und gutem Wasser versorgt hat.

Da man in London vor den größten Kosten und Hindernissen nicht zurückschreckt, wenn es öffentliches Wohl und das große Gut der Gesundheit gilt, lässt sich erwarten, dass es auch mit frischer Kraft und seinem bekannten Unternehmungsgeiste an Ausführung dieses Riesenwerkes gehen werde. Die großen Städte Deutschlands, welche zum Teil an viel schlechterem Wasser und geradezu vergifteten Brunnen leiden, können sich leider nicht einmal kleiner Unternehmungen gegen dieses zunehmende Übel rühmen, so dass noch mancher sogenannte Labetrunk Tod und Verderben mit sich bringen wird.

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