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Das ehemalige Naumburger Bier

Das Pfennig-Magazin • 8.2.1855

Den ausgezeichneten Ruf, den jetzt das bayrische Bier hat, behauptete im 14. und 15. Jahrhundert das Naumburger, von dem das Sprichwort galt: »Naumburger Bier ist der Thüringer Malvasier.« Es ward weit und breit, wenn der Sage zu trauen ist, sogar bis Rom verfahren. Ehrengeschenke an regierende Herren, an Bischöfe und Äbte wurden mit Naumburger Bier abgemacht. In der Mitte des 15. Jahrhunderts war der Vertrieb am stärksten. Täglich gingen zu allen Toren ganze Fuder hinaus und es ist leicht zu begreifen, welch bedeutende Summen dafür in die Stadt flossen und wie wohl die Bürger sieh dabei befanden. Kein anderes in Thüringen gebrautes Bier konnte neben dem Naumburger aufkommen und die Preise der Thüringer Weine wurden dadurch sehr niedergedrückt, so dass viele Regenten ernste Maßregeln gegen das Naumburger Bier ergriffen. Noch im folgenden Jahrhundert durfte bei Leipziger Doktoren- und Magisterschmäusen und andern Gastereien das Naumburger Bier nicht fehlen. Im ausführlichsten verbreitet sich Knauf, der ein vornehmer Braumeister in Naumburg war, über das Bier seiner Vaterstadt; er schrieb ein Büchlein: ›Kunst Bier zu brauen‹, wo er sich als ›Beider Rechte Doktor‹ unterzeichnet. Er beschreibt es in dieser Schrift also:

»In Thüringen ist das Naumburger Bier das berühmteste und vornehmste, auch das nicht unbillig; denn es hat viel Substanz, ist wohl gekocht, gibt viel Nutriment, vermehrt die natürliche Wärme, und mangelt diesem Bier in keinem Stücke. Es steigt aber leichtlich zu Kopfe, daher schreiben etliche Säufer, dass dies Bier die Leute blind mache, und das ist ja doch kein Wunder! Denn wenn man dieses Bier überflüssig säuft und wie die unvernünftigen Tiere in sich hinein gießt, so muss man nicht allein blind, sondern auch ganz töricht und unsinnig werden. Dies Bier wird in die Städte weit und breit verkauft und in Haufen verführt, da es angenehm und lieb ist. Ich habe das schönste und lieblichste Bier in der Stadt daselbst getrunken, das einem im Herzen danach gelüsten möchte. Aber es will mäßig, mit musen und maßen, nicht aber in Quartierchen getrunken sein usw.«

Die Kunst, in den Naumburger Braupfannen Thüringer Malvasier zu brauen, gehört nun in Naumburg selbst zu den verlorenen, daher auch das alte Sprichwort seitdem außer Gebrauch und gänzlich in Vergessenheit gekommen ist.

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