Bau & Architektur

Das Brandenburger Tor in Berlin

Das Pfennig-Magazin • 6.7.1833

Die Idee dieses Tors entnahm der Geh. Kriegsrat und Oberhofbauamts-Direktor Langhans dem in seinen Ruinen jetzt sehr beschädigten Vorhof der Zitadelle von Athen (propylaeon), welche einen Teil der Festungswerke jener Zitadelle bilden, und führte den ganzen Bau aus, der im Jahr 1793 mit dem Aufwand von etwa 500000 Reichstaler vollendet wurde.

Der Hauptteil des Brandenburger Tors besteht aus einem Bogengang von 42 korinthischen Säulen von Sandstein. Sechs derselben sind nach der Stadt und sechs gegen den Tiergarten gerichtet. Ihr Durchmesser beträgt 1,7m und ihre Höhe 13,5m. Die Scheidewände zwischen diesen Säulen bilden fünf Durchgänge. Der mittlere Durchgang ist 5,7m (18Fuß) und die zur Seite sind 3,8m (12Fuß) breit. Auf den Säulen liegt das Säulengebälk, der Fries und das in gerader Linie fortlaufende Hauptgesims. Neben diesen steht ein über den mittleren Durchgang bis an die Front vorspringende, an der Seite aber zurückgezogener Aufbau, so dass gegen den mittleren Teil von beiden Seiten Treppenstufen angebracht sind, welche gleichsam einen Vorsprung bilden und auf dem mittleren Teil des Aufbaus zusammenkommen. Auf diesem Aufbau steht ein Siegeswagen nach alter Form und in solchem die Siegesgöttin mit dem Siegeszeichen in der Hand. Die vier Pferde vor dem Wagen sind 3,8m hoch. Schadow entwarf die 5m hohe Gruppe, die Gebrüder Wohler arbeiteten solche ins Große aus Holz und der Kupferschmied Jury aus Potsdam trieb sie von Kupfer aus. Die Höhe des Tors mit dem Aufbau beträgt 20,3m und mit der Gruppe 26m.

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Über dem Siegeswagen stellt die vordere Front des Aufbaus, nach Rodes Zeichnung, den Frieden als eine natürliche Folge des Sieges in einem wenig über die glatte Fläche sich erhebenden Bild dar. Den Wagen der Göttin des Friedens in antiker Form ziehen Genien mit einem Lorbeergewinde. Vor dem Wagen treibt die Stärke den Neid und die Zwietracht vor sich her; der Stärke folgt der Sieg, die Staatsklugheit, die Einigkeit und die Beständigkeit. Hinter dem Triumphwagen folgen die Freude, der Überfluss, die Künste und die Musen. Die Bildhauerarbeit ist von Unger und Boy. An der Außenseite nach dem Tiergarten nimmt eine Inschrift den Raum ein.

Weiter unten in dem Fries sieht man den Streit der Zentauren mit den Lapithen als eine Allegorie auf die Kriege des preußischen Staats mit anderen Völkern. (Von Schadow und Eckstein.)

Rode malte die Deckenstücke der Durchfahrt. Das Erste rechts bezeichnet den Frieden durch einen Adler in einem Olivenkranz; das Zweite Einigkeit und Überfluss durch zwei zusammengeschlungene Füllhörner mit dem Stab des Merkur; das Dritte die Künste durch Minervas Schild mit einem Medusenkopf; das Vierte die mit der Liebe der Musik verbundene Tapferkeit durch die mit Lorbeer umschlungene Leier und Keule des Herkules; das Fünfte den Heldenmut und die Stärke durch eine kriegerische Trophäe.

Mehrere Bildhauer in Berlin und Potsdam lieferten die wenig über die Fläche erhabenen herkulischen Bilder der Taten Friedrichs des Großen, deren Figuren 1,6m hoch sind.

An den mittleren Hauptteil des Tors stoßen zwei Seitenflügel, die sich in einem rechten Winkel an die beiden nächsten Häuser des großen Vierecks anschließen. Diese beiden Flügel gleichen griechischen Tempeln; jeder Flügel hat einen bedeckten Säulengang im dorischen Stil und jeder dieser Säulengänge 10 geriffelte Säulen von 95cm Durchmesser und 7,6m Höhe. Zwischen den zwei nächsten Säulen am Haupttor ist auf jeder Seite eine große Blende; in der einen Blende sitzt auf einem Gestell Mars, in der andern Minerva; beide von Schadow. Jeder Flügel endet mit einem Vorsprung von vier Säulen. Im Giebelfeld des Vorsprungs rechter Hand befindet sich in einer länglich runden, wenig erhabenen Fläche ein sitzender Merkur und im Giebelfeld des linken Vorsprungs ein sitzender Mars. Im rechten Flügel ist die Tor-Akzise und Zoll-Einnahme; im linken Flügel die Torwache. Ihren Gelass haben die Bewohner nach der Außenseite hin.

Am Tage haben die Durchfahrten eiserne Gittertore und durch diese eine freie Aussicht in den vor dem Tor liegenden Tiergarten und nachts hölzerne Sperren.

Im Jahr 1807 ließ Napoleon die Siegesgöttin mit Wagen und Pferden nach Paris abführen, welche nach dem siegreichen Einzug, der Verbündeten in Paris im Jahr 1814 von Paris nach Berlin zurückgeschickt wurden und jetzt wieder das Brandenburger Tor schmücken.

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