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Balmains Leuchtfarbe

Zentralblatt der Bauverwaltung • 25.6.1881

Zu den Gegenständen, welche in der Frankfurter Patent-Ausstellung die Aufmerksamkeit der Besucher besonders auf sich ziehen, gehört die leuchtende Farbe, welche vom Direktor der Alkaliwerke zu Lancashire in England, Baimain, erfunden ist und von der Firma Ihlee&Hörne in London hergestellt wird. Wenn auch die Eigenschaft gewisser Stoffe, nach Bestrahlung durch das Tageslicht im Dunkeln nachzuleuchten, schon lange bekannt ist, so ist doch das Leuchtvermögen einiger, wie Schwerspat, Flussspat, Kalkspat, Kreide, Zucker, Alabaster u.a. kein besonders großes; andere, stärker leuchtende, wie schwefelsaures Strontium, schwefelsaures Barium und schwefelsaures Kalzium, zersetzen sich an der Luft zu schnell, um in ihrer nachleuchtenden Eigenschaft für die Praxis nutzbar zu sein. Balmains Erfindung besteht nun darin, einen Körper herzustellen, der verhältnismäßig stark leuchtkräftig ist und auf den atmosphärische Einflüsse keine Wirkung haben: ein weißes Pulver, das mit Wasser, Öl oder einem farblosen Lack zu einer Anstrichfarbe angerührt werden kann. Die Farbe, welche, wie besonders bemerkt wird, keinen Phosphor enthält und einen säuerlichen Geruch hat, ist äußerst lichtempfindlich, so dass ein Induktionsfunke genügt, um sie sofort im Dunkeln leuchten zu machen. Dem Tageslicht oder irgendeinem anderen starken Licht ausgesetzt, erscheint sie im Dunkeln zuerst in ziemlich kräftigem bläulichen Licht, das auch die nächsten Gegenstände bläulich anstrahlt. Das auf dem Ausstellungsplatz befindliche, innen damit bestrichene Zimmer z.B. lässt die darin sich aufhaltenden Personen in blauem Dämmerlicht erkennen. Je nach der Länge der Zeit, welche der gefärbte Gegenstand dem Licht ausgesetzt war, verblasst sie allmählich. Es wird jedoch versichert, dass bei genügend langer Bestrahlung das Leuchten die Nacht über dauern kann.

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Die Farbe wird empfohlen für Wegweiser, Straßenschilder, Hausnummern, für Räume, die der Feuergefährlichkeit wegen mit der Laterne nicht betreten werden dürfen, für verschiedenartige Anwendung im Eisenbahnbetrieb, für das Seewesen zu Rettungsringen, Taucheranzügen, schwimmenden Schifffahrtssignalen usw. und hat bei verschiedenen, namentlich kleineren Artikeln, welche in England sich im Handel befinden, praktische Verwendung gefunden. Auch bei uns werden z.Z. Versuche gemacht und es dürften demnächst Erfahrungsresultate vorliegen. Immerhin ist das Leuchten nach dem ersten Aufglänzen doch nur ein dämmeriges, welches in mäßig dunkeln Nächten dasjenige der mit Kalk geweißten Prellsteine an Chausseen kaum bedeutend übertreffen kann. Für die Verwendung ist zu bemerken, dass ein etwa schon vorhandener Ölfarbenanstrich des bei Nacht kenntlich zu machenden Gegenstandes zerstörend auf die Farbe wirken würde und daher ein Voranstrich mit einer besonders präparierten neutralen Farbe erforderlich ist. Zum Aufmalen von schwarzen Buchstaben usw. auf die nur weiße Leuchtfarbe wird eine besondere schwarze Farbe geliefert, wie auch ein farbloser Firnis zum etwaigen Überziehen des Anstrichs. Dreimaliges Anstreichen der leuchtenden Ölfarbe wird empfohlen. Für eine Fläche von ca. 1,20m² genügt ein Pfund engl. zum Preise von 8M frei ab Frankfurt ohne Verpackung; zum dreimaligen Wasserfarbenanstrich reicht ein Pfund Farbe zum Preise von 12M wie vor, aufgelöst in 1½ Liter lauwarmen Wassers, für eine Fläche von etwa 7m². Eine Lösung von chemisch reiner Gelatine in 12 Teilen heißen Wassers ist hier als Voranstrich und auch zum Schutz der Wasserfarbe als Überzug zu empfehlen. Die Leuchtfarbe, wie auch die genannten dazu gehörigen Anstrichstoffe sind von der Firma Wirth&Co. in Frankfurt a.M. zu beziehen. Die Preise erscheinen allerdings noch außerordentlich hoch bemessen, und müssten wohl eine erhebliche Ermäßigung erfahren, wenn das Verfahren sich eine ausgedehnte praktische Anwendung gewinnen soll, – vorausgesetzt auch, dass die Leuchtkraft des Mittels sich für längere Zeit erhält, worüber genügende Erfahrungen noch nicht vorliegen.

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