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Amerikanisches Straßenpflaster

Die Gartenlaube • 1867

Zu den wünschenswertesten Dingen großer und kleiner Städte gehört unstreitig ein gutes Straßenpflaster. Eine gut angelegte Pflasterung verhütet Unglücksfälle, erspart Zeit in der Fortbewegung, schützt vor Unreinlichkeit, und dies steht wieder im engsten Zusammenhange mit den gesundheitlichen Verhältnissen der Stadt. Es ist nun die Frage: Welches Material eignet sich am besten für städtische Straßenpflasterung? Jedenfalls dasjenige, welches die folgenden Vorzüge besitzt und in sich vereint: 1) Haltbarkeit, 2) Reinlichkeit, 3) auf dessen Fläche man sich und alles zu Transportierende am schnellsten, sichersten und ungehindertsten fortbewegen kann, und 4) dessen Fläche das lästige und hirnzertrümmernde Geräusch von Hufschlägen und Räderwerk aller Art beseitigt oder vermindert. Wenden wir uns zu den praktischen Amerikanern, so beantworten sie die Frage tatsächlich mit Hinweisung auf ihre bereits vorhandene Pflasterung der Hauptstraßen mit Holz. Diese Vor- und Herrichtung und die Vorzüge derselben näher zu beschreiben, soll der Zweck dieser Zeilen sein.

Nach einigen Regentagen betrat ich die Market Street in St.Louis, welche bereits halb mit Holzpflaster versehen, während auf dem anderen Teil noch das alte Steinpflaster vorhanden war. Das Steinpflaster bot einen für Fußgänger unzugänglichen Morast, während die Neuerung einen sichtbaren, günstigen Eindruck der Vervollkommnung machte und die Holzpflasterung einen bequemen Übergang selbst für Damen erlaubte. Den andern Tag sollte der Anfang zur Vollendung der übrigen Strecke gemacht werden, und da ich glaubte, den geehrten Lesern der in meiner früheren Vaterstadt erscheinenden Gartenlaube etwas ›friedlich Neues‹ bieten zu können, fand ich mich, wenn auch als müßiger Zuschauer, pünktlich ein, um den eigentümlichen Vorgang dieser Arbeit anzusehen und schildern zu können.

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Die Entdeckung Berlins

Die Straße wurde bis auf die breiten und für Fußgänger bequemen Seitenwege, welche, beiläufig bemerkt, mit Brickstone (Ziegelstein) gepflastert sind, abgesperrt. Mehr denn dreißig schwarze und weiße Arbeiter waren in geteilter Arbeit gleichzeitig beschäftigt, um so schnell wie möglich die wichtige Verkehrsstraße zu bessern und übergeben zu können. Der ganze Vorgang glich einer großen Werkstatt, wo mit Sand, Feuer, Holz, Axt, Hammer und Ramme gearbeitet wird, und dabei herrschte eine Ordnung wie in einer Fabrik. Hier liegen viele Fässer Teer aufgestapelt, unweit stehen die Siedöfen, um die schwarze Masse in sich aufzunehmen, welche von freigewordenen Menschenhänden durch Schüren des Feuers und Rühren der Masse zum Sieden gelangt, ohne dass man zu fürchten braucht, dass die von Natur schwarze Haut der Arbeiter noch schwärzer werde. Dort liegen wieder große Steinsandhaufen, und Arbeiter sind beschäftigt, Sand und Steine durch Sieben zu sondern. Die gesonderten Steine wandern in eine große auf Eisenrädern ruhende Eisenpfanne, unter welcher ein mächtiges Feuer die Steine röstet. Es ist ein eigner Anblick, einen freien schwarzen Mann mitten in der Pfanne stehen zu sehen, bemüht, mit der Schaufel jedem Steine seinen gehörigen Schlag zukommen zu lassen, während andere schwarze Leute die hochlodernden Flammen unter seinen Füßen nähren.

Unwillkürlich dachte ich bei so heißem Standpunkt an das Fegefeuer und an die Scheiterhaufen und hätte mich gewiss des armen Schwarzen angenommen, wenn ich nicht wusste, ›dass er es freiwillig getan‹. Dieses Braten dient, dem Holzpflaster mehr Festigkeit zu geben. Hier sehen wir nun Stöße von Brettern und kleinen Latten, da wieder Haufen von backsteingroßen Holzstücken, Holzwürfel oder das eigentliche Holzpflaster. Alles weiches Holz, Pint oder Fichtenholz. Ein Teil der Arbeiter ist beschäftigt, das alte Straßenpflaster aufzureißen, ein anderer, es zu entfernen. Jetzt geht es an das Planieren und an das Legen eines Bretterbodens. Die ganze Straße wird erst gedielt, indem lange, breite Bretter der Länge nach nebeneinander befestigt werden. Nun kommt die schwarze, heiße Masse, um diesen Bretterboden zu überdecken; dann folgt die Arbeit, den klaren Sand überzustreichen, und jetzt beginnt die Zeit des ›Pflasterns‹. Die Holzsteine werden ähnlich wie beim Mauern nur einfach, quer mit der Straße, nebeneinander gereiht und fest gefügt und mit einer zollstarken Latte am Bretterboden festgenagelt. Die Reihen dieser Holzsteine bilden kleine Lücken, so weit voneinander, wie es eben die zollige festgenagelte Latte bedingt.

In diese Zwischenräume und auf die ganze sanftgewölbte Fläche der gelegten Holzwürfel wird in verschwenderischer Menge heißer Teer gegossen und mit kleinen heißen Steinen überschüttet, welche mit einer leichten Vorrichtung in die Fugen des Holzpflasters fest eingerammt werden. Zum Schluss wird die fertige Straße mit feinem Steinsand versehen, welcher später wieder beseitigt wird, so dass die Straßenfläche einer nach der Mitte zu ein wenig gewölbten, rauen Holzfläche gleicht. Dass ein solches, wenn auch teures Pflaster, denn das Holz kommt Hunderte von Meilen weit her, die an ein Pflaster zu stellenden Ansprüche erfüllt, lehrt hier bereits die Erfahrung. Auch braucht wohl nicht erst bemerkt zu werden, dass dieses Holzpflaster für Gehen, Reiten und Fahren gleich bequem ist.

Ohne viel Geräusch und mit Leichtigkeit rollen die schwersten Wagen dahin. Nach einem Regen gibt es sehr wenig Schmutz und dieser ist schnell zu beseitigen, wie überhaupt diese Straßen sehr leicht zu reinigen sind. Sie trocknen schnell, vermindern den Staub und werden schnell und leicht bespritzt. Allerdings könnte der Einwurf gemacht werden, dass die Holzpflasterung ein vortreffliches Feuermaterial bietet und namentlich hier, wo täglich mehrere kleine oder große Feuer vorkommen, die Feuersgefahr erhöht erscheint. Nun, dieser Besorgnis überheben uns unsere Dampfspritzen, die uns nicht im Stich lassen. Es wird hier nicht ›freiwillig‹ gelöscht, sondern aus bezahlter Pflicht, denn der Gemeinsinn würde hier nicht ausreichen und ist hier auch wenig bekannt. Wird Feuer signalisiert, so sind in wenigen Minuten schon mehrere Maschinen tätig, ›um das Feuer zu ersäufen‹, und eine hat die besondere Aufgabe, das Straßenpflaster tüchtig anzufeuchten.

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